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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 127

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Zum Jubiläum der Cultusreform
Date
1869-01-01
Page
Seite 127 (sequence 6)
Language
German
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Zweiter Artikel. Die Gebetmacherei. 127 machen,neueGebete,ei ne neueGottesverehrung zu schaffen! Was war also der Erfolg der Reformbewegung? Kein anderer, als daß sie die Begriffsverwirrung, von der sie selbst ausgegangen war, in die Gemeinden einschob und in denselben stabil machte, eine Begriffsverwirmng, vermöge deren man die Convenienz, den guten Ton, den Geschmack, mit einem Worte die Regeln des Salons auch als religiös-geschichtliche Faktoren anzusehen sich gewöhnte und die Frage nach den inneren Motiven der religiösen Entwickelung, nach dem religiösen Berits des Einzelnen oder eines ganzen Zeitalters völlig verlernte. Ja diese saloppe Begriffsverwirrung, welche wir (zu unserer Beschämung müssen wir es sagen) in der christlichen Welt vergeblich suchen, (die sich eben mit religiösen R e f o r m en nicht befaßt, weil sie die Zeitströmuitg als eine antireligiöse erkennt), sie ist im Grunde allein der Krebsschaden, an welchem die deutsche Judenheit seit fünfzig Jahren krankt, der immer wieder als ekelhaftes künstliches Echauffement über Kultusfragen bei sichtlicher Zersetzung aller religiösen Säfte und offenbarem Hinschwinden alles religiösen Gefühles ausbricht. Wenn sie jetzt aufstünden, die Reformatoren von Anno 18 was würden sie sagen? Ihre Nachkommen haben sie besser verstanden, als sie sich selbst; dies Geschlecht braucht sie nicht mehr, es hat sich auch von ihnen emancipirt; ihr Jubiläumsfest feiert eine Predigt ohne Zuhörerschaft; ihre Tempel sind jetzt nett und sauber, so sauber— daß man sie durch öfteren Besuch zu verunreinigen fürchtet. — — Doch lassen wir die Todten! Eine spätere Geschichtsschreibung wird sie eingehender beurtheilen, sie wird die Betrüger unter ihnen von den betrogenen Betrügern unterscheiden, sie wird auch wohl lichte Punkte an ihnen herauszufinden wissen, die jetzt von düstern Schatten verdunkelt sind und in der That — Mancher von ihnen war vielleicht ״ein Noah in seiner Zeit". Aber was soll man von den Theologen und Halbtheologen der Gegenwart sagen, welche der Reformkitzel und der Ruhm Luthers nicht schlafen läßt? Sie, die nicht genug Steine werfen können ans die Vergangenheit, wollen sie nicht jetzt den Reform-

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