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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 126

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Zum Jubiläum der Cultusreform
Date
1869-01-01
Page
Seite 126 (sequence 5)
Language
German
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126 Zum Jubiläum der Cultusreform. Doch setzen wir uns über diesen Punkt ein für alle Mal auseinander. Das geben wir gern zu, daß die Reformbewegung den ״geregelten" Gottesdienst geschaffen, daß sie die Anregung gegeben zur Ausschaffung des Ghettoschmutzes aus den Syna'gogen und zur Einführnu g von Anstand und Ordnung in dieselben. Das hätte sich nun zwar mit der fortschreitenden Bildung von selber gemacht; aber immerhin waren es die Urheber jener Reformbewegung, welche die Pforten der engen und verstaubten Tempel öffneten, daß ein frischer Luftzug hindurchstreichen und die von Modergeruch geschwängerte Atmosphäre reinigen konnte. Und das war Etwas, das eine ansehnliche Leistung, ja ein Verdienst gewesen wäre, hatten unsere Reformatoren den ehrlichen Muth gehabt, einzugestehen, daß über diese Leistung hinaus ihnen wie ihrer ganzen Zeit jeder religiös-schöpferische Beruf abgehe. Bestrebungen werden zu geschichtlich-bedeutsamen oft eben so sehr durch ihre richtige Beschränkung, wie durch ihre thatsächlichen Leistungen. Das hätten unsere Reformatoren bedenken sollen, als sie die Regeln des Anstandes und der Ordnung in die Synagogen einsührten. Aber sie bedachten es nicht, oder wollten es nicht bedenken: sie gaben den guten Geschmack, den feinen Ton, den Sinn für Ordnung und Anstand in absichtlicher oder unabsichtlicher Fälschung für religiöse Faktoren,fürreligionsbildende Mächte aus und versuchten mit dieser schwindelhaften Verwechselung der Begriffe durch forcirte Gebetmacherei und forcirte religiöse Begeisterung eine Reform des Inneren und Eigentlichen der jüdischen Gottesverehrung, während sie höchstens nur für die Reforin seiner Aenßerlich keiten denNechtstitel in sich trugen und in den! ganzen Zeitbewußtsein finden konnten. So aber ging das einzig Verdienstliche an jener Reformbewegung verloren, und diese mußte nothwendig für das religiöse Leben der Juden nur verderblich wirken, um so verderblicher, als (um mich hier eines Lessing'schen Wortes zu bedienen) ihr wahrer Theil so einleuchtend war, daß man das Unbestimmte und Falsche, welches sie mit sich führte, übersehen zu müssen glaubte. Denn wie leicht ließ und läßt es sich das Volk einreden, daß Derjenige, der Anstand und Ordnung in die Synagoge bringt, (deren Vortheilhaftigkeit einleuchtet) auch den Beruf habe, Religion zu

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