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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 112

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Die Einheit des Judenthums innerhalb der heutigen religiösen Anarchie
Date
1869-01-01
Page
Seite 112 (sequence 2)
Language
German
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112 Die Einheit des Judenthums wie an der Osterfeier, Theil nehmen zu können. Wäre das Judenthum eine Religion im modernen Sinne des Wortes, so wäre diese Abwesenheit aller Bekehrungssucht ein psychologisches Räthsel, im Widerspruch mit allen gleichartigen Phänomenen. Begreiflich wird dieser in der ganzen eigentlichen Religionsgeschichte einzig dastehende Umstand nur dadurch, daß das Judenthum eben keine bloße Glaubenssekte ist. Solche Sekten gehören, ivie bereits gesagt, rächt der ersten Weltepoche an, in welcher das Judenthum entstanden ist. Alle jene asiatischen und europäischen Religionen, die so eifrige Propaganda machten, daß sie in kurzer Frist viele Millionen Anhänger hatten, sind nicht naturwüchsige«, sondern reformistischen Ursprungs; rmd nichts spricht so sehr für die Originalität des Judenthums, dafür, daß z. B. Mose nicht etwa ein bloßer Reformator der egyptischen oder naturwüchsigen arischen Neligionsform, sondern der Fortsetzer älterer jüdischer Traditionen war, die sich in das graue Zeitalter der Patriarchen verlieren, als gerade der Umstand, daß der fälschlicher Weise zuweilen als Religionsstifter angesehene Gesetzgeber, eben so wenig als das durch ihn aus der egyptischen Sklaverei befreite Volk irgend ein Gelüste von. Bekehrungseifer an den Tag legt. Ein anderes, nicht minder räthselhaftes und beispiellos in der Neligionsgeschichte dastehende Phänomen ist gleichfalls nur dadurch erklärlich, daß das Judenthum kein bloßer Glaube ist; ich meine die Thatsache, daß sich in seiner Mitte keine verschiedenen Sekten halten und ausbreiten konnten. An Versuchen zur Sektenbildnng hat es im Judenthume nie gefehlt, und fehlt es bis heute nicht; aber alle älteren und neueren Versuche dieser Art, von den Essäern rmd Judenchristen an bis herab zu den Kabbalisten, Sabbathianern, modernen Reformatoren und Uni- Versalreligionsstiftern, haben bei aller großen Verschiedenheit in Ansehung ihrer Tendenzen und Schicksale doch das Eine mit einander gemein, daß sie zuiu Ab falle vom Judenthume führten. Innerhalb einer Glaubenssekte können sich begreiflich neue Sekten bilden; wo der Glaube das Wesen einer Religion ist, kann sich jede Glaubensnuance als das wahre Wesen dieser Religion geltend machen. So kämpfen und wetteifern mit einander im Christenthnm römische, griechische, protestantische und rationalistische Sekten, unr dem ״wahren" Christenthum den Sieg

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