Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Bernickel-Gans
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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90 Die Bernickel-Gans. Esn mittelaltexlicher Mythus. geträumt hat. Die vergleichenden Sprachstudien bieten uns die Lösung des Räthsels! Max Müller, Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache, 2. Serie, widmet diesem Gegenstände in der letzten Vorlesung über ״neuere Mythologie" ein eigenes Kapitel; und eben darum dürfte es vom Wissenschaftlichen Interesse sein, die jüdischen Quellen darüber zu vernehmen und damit zu vergleichen. Die berühmte Bernickel-Gans sagt Max Müller, S. 491, ist ein Vogel, der in jedem guten ornithologischen Buche abgezeichnet und beschrieben zu finden ist. Aber obgleich der Vogel wirklich vorhanden ist, so bilden doch über ihn nicht bloß die in populären, sondern auch in wissenschaftlichen Werken gegebenen Berichte eines der außerordentlichsten Kapitel in der Geschichte der neuern Mythologie. Die Bernickel-Gans, wurde allgemein geglaubt, wachse am Gestade des Meeres in Muscheln eingeschlossen auf Bäumen, an denen sie mit ihren Schnäbeln hänge und im Norden Schottlands zu Hause sei. In den khilosopbieal Irarrsaetions *M 137 Januar und Februar 1677 — 78 wird über die wunderbaren an Bäumen hängenden Ganse Bericht erstattet. Aldrovandus erzählt uns im 19. Buche seiner Ornithologia (1603) von einem Priester, welcher ihm mit einem Eide auf das Evangelium versichert hätte, daß er die Vögel in ihrem rohen Zustande gesehen und sie in der Hand gehabt hätte. 1627 gab ein Graf Maier in Frankfurt ein Buch de volucri arborea heraus, in welchem er den ganzen Hergang von deren Geburt darstellt und besten 4. Kapitel folgende Ueberschrift trägt: quod finis propnus hujus volucris generaticmis M, ut referat duplici sua natura , yegetabili 6t animali, Christum Deum et hominem, qui ׳guoque sine patre et matre, ut ille existit. Der Londoner Magister der Chirurgie Johw Gerard giebt Ln seinem 1596 herausgegebenen Herball, Pflanzenbuch, ein leibhaftiges Bild des Baumes mit den aus seinen Zweigen kommenden Vögeln mit folgender Beschreibung. ״Es werden in den nördlichen Theilen Schottlands u. s. w. gewisse Bäume gefunden, an denen gewisse Schalthiere von weißer ins Rothbraune spielender Farben wachsen, in denen kleine lebendige Geschöpfe enthalten sind; diese Muscheln öffnen sich im Zustande der Reife, und aus ihnen wachsen jene kleinen lebendigen Vögel hervor, welche von uns Banankel und in Laneashire Baumgänse genannt werden u. s. w. u. s. w." Sebastian Münster erzählt dieselbe Geschichte in seiner 1550 Karl V. gewidmeten Cosmograpliia Univcrsalis und läßt auch die bildliche Darstellung nicht weg, und ob-