Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum Jubiläum der Cultusreform
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Zum Jubiläum der Cultusreform. nicht zurück, was Ihr selbst verschleudert habt? Und seht Ihr nicht setzt, daß Ihr auf falschen Wegen ginget? O sie möchten es wohl, wenigstens Manche von ihnen möchten es wohl einsehen — aber die journalistischen Faiseurs übertauben die Ueberlegung, daß sie nun ja nicht Wurzel fasse. ״Immer heran, meine Herrschaften, das Spiel beginnt von Neuem, die Reformmaus! Frische, fröhliche Reformation! Ja frisch und fröhlich war und ist sie, unsere Reform! Ich könnte mir ihre Jubiläumsfeier gar nicht mit einem religiösen, versteht sich noch weniger mit einem irgendwie ״frommen" Anstrich denken! Das würde sie ja compromittiren! Mir schwebt dabei vielmehr Etwas wie Jubelouvertüre und Festvorstellung vor, oder — wie der englische Guy Fakes Day vor. R. Joseph Karo, der Anstifter der Schulchanaruch-Pulververschwörung müßte dabei in effigie verbrannt werden! Das wäre lustig und unserer Reformperiode würdig. Denn wie lustig und spaßhaft ging und geht es zum Theil noch während der abgelaufenen fünfzig Jahre bis heute in den jüdischen Gemeinden zu. Man brauchte nur die ״Alten" auszulachen, und — war ein Reformator! Man stimmte während einer halbständigen Muße in der Borstandssitzung für die Orgel und — war ein. Reformator! Oder man verlegte gar den Sabbath auf den Sonntag (wie man die Messen und Jahrmärkte verlegt) und — war ein fertiger, patentirter Reformator! War das nicht eine lustige Reformation? So glücklicherweise ohne allen Kamps, ohne alles Martyrium! Doch halt: etwas Martyrium müßte auch dabei sein. Das hatten ja bisher alle zu erdulden, die auf religiösem Gebiete als Reformatoren auftraten, von dem von Haufe flüchtigen Mose an bis auf Huß, der den Scheiterhaufen bestieg, und den vielfach verfolgten Luther! Aber muß denn uothmendig die reformatorische Thätigkeit mit einem Martyrium verknüpft sein? Es muß vielleicht nicht so sein, aber es war bisher immer so und ganz natürlich so. Denn wer von innerem Drange getrieben, als Herr seiner Zeit sie bestirnmen und nicht als ihr Bedienter ihre Schleppe tragen . will — und welche von beiden Rollen steht einem Reformator an? — Der wird so gewiß einen Kampf zu bestehen haben, als er ja sonst nichts zu bekämpfen hätte, und er wird eben so ge-