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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 2 · p. Seite 85

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 2
Article
Zum Jubiläum der Cultusreform
Date
1869-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Erster Artikel. Reform und Reformschwmdel. 83 wäre! Ich leugne nicht, daß unter Denen, die mit der Begründüng des Hamburger Tempels und in den nächsten Jahren darauf austraten, einige Wenige waren, bei welchen das reformatorische Gelüste noch von dem Hintergründe einer religiösen Wärme und eines frommen Dranges sich abhob. Aber wie bald wurden sie von den Haupthähnen der Reform, der Reform 8an8 pbrass desavouirt, als ״Fromme" desavouirt! Ja diese Haupt-Hähne und Hähnchen der Reform, sie verstanden das Ding besser! Eine religiöse Reform, die das Wort Frömmigkeit noch kennt, wie lächerlich! Eine religiöse Reform, die noch von religiöser Inuigkeit und religiösem Ernste spricht — wie engbrüstig! Fort mit diesen Begriffen und an ihre Stelle die bewegende Idee einer neuen Religion — den Witz gesetzt! Diesen religiösen Hebel, diese religiöse Macht habt Ihr steilich noch nicht gekannt, Ihr geschichtlichen Reformatoren! Wie nüchtern seid Ihr! Wie albern stomm seid Ihr! Wie erbaulich-ernst seid Ihr! Wie wenig Witze reißt Ihr! Ja, was seid Ihr auch gegen unsere Reformatoren! Die haben die Frömmigkeit und den Ernst stigmatisirt und dafür den Witz glorificirt. Seit fünfzig Jahren lachen sie, die braven Männer, lachen über Aeltestes und Altes, die Voltairiunculi, lachen über Frömmigkeit, Ernst und Glauben — die Reformationsschwiudler! Und das Volk? Je nun! Panem et Circenses! Das wird ihm ja geboten, und so —■ lacht das Volk mit! Doch nein, es lacht schon nicht mehr! Fünfzig Jahre dasselbe Schauspiel — 0 Ihr könnt auch langweilen, Ihr Reformer, soll da nicht ein Ueberdruß eintreten? Welcher Heißhunger kann da für ein Jubiläum übrig bleiben? Es lacht schon nicht mehr, das Volk, es dehnt und streckt sich vor Langerweile, es ist der Histrionen überdrüssig, die Frömmigkeit und der Ernst ist längst beseitigt und die Lust am Spaß wird nun von demselben Geschick ereilt, und was bleibt? Stumpfsinn, Gleichgültigkeit, Jndifferentismus! Ist das ernstlich wahr? Es muß wohl so sein, denn unsere Reform«- toren sagen es selbst. Sie schlagen jetzt die Hände zusammen, wie verlassene Maitressen, sie jammern ob des geschwundenen, lachlustigen Beifalls, sie beklagen die Indolenz, die Lethargie, den Mangel an Ernst und Interesse. — Aber beklagt Ihr denn nicht, Ihr Guten, was Ihr selbst veranlaßt habt? Verlangt Ihr

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