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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 2 · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 2
Article
Zum Jubiläum der Cultusreform
Date
1869-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Zum Jubiläum der Cultusreform. Paulus nicht fromm nennen? Ich dächte doch! Er war nicht jüdisch fromm, ja er bekämpfte das Judenthum, richtiger das jüdische Gesetz; aber er war unzweifelhaft fromm, bis zum Fanatismus fromm. Er verwarf die jüdische Frömmigkeit, aber er hatte seine, die ihn drängte, die er predigte. — War Luther fromm? Der Katholik wird sagen: er war nicht katholisch, und er hat Recht. Luther gab allerdings den Katholicismus auf! aber die Frömmigkeit? Kaum kann man sie schärfer und nachdrücklicher betonen, als er! überall zeigt er sich von einem religiösen Drange getrieben. Man sagte damals mit Recht, Luther war christlicher als Christus. Darum ist er ein Reformator geworden. Und NUN — grandia si parvis assimilare licet! — NUN Vergleichen Sie die großen Reformatoren, welche seit fünfzig Jahren bis heute das Judenthum verarbeiten, mit den kleinen Huß und Luther! Waren oder sind sie fromm? Haben sie neben den vielfachen Bekämpfungen des Bestehenden auch für die Frömmigkeit je ein entschiedenes und begeistertes Wort geäußert? Nicht allerdings für die alte, aber wenigstens für eine? Ich fühle, wie mich in diesem Augenblicke Jemand (wahrscheinlich ein stiller Parteigänger jener Quasi- Reformatoren) am Aermel zupft: ״Um Gotteswillen! Wo denken Sie hin!? Verdächtigen Sie mir die Leute nicht! Fromm! Religiöses Gemüth! Gläubige Inbrunst! — welche Blasphemien! Sie bringen ja unsere ganze schöne, frische und fröhliche Reformation in Verruf, wenn Sie ihren Begründern und Fortsetzern den Besitz von Eigenschaften zutrauen, welche aus der jüdischen Welt fortgeschafft zu haben ihr eigentliches Verdienst ist. — Fragen Sie noch einmal von einem unserer Reformatoren, ob er fromm ist, ein religiöses Gemüth hat, —und Sie machen ihn durch die bloße Frage unmöglich! Unsere religiöse Reform hat mit der Frömmigkeit gar nichts zu thun; wer noch ein religiöses Gemüth zu haben behauptet, wer noch von religiösem Ernst umnebelt ist, den betrachtet unsere Reformation als Inhaber eines ״überwundenen Standpunktes"!" In der That! Die letzten fünfzig Jahre bieten einen Beitrag zur jüdischen Religionsgeschichte, der ergötzlich sein könnte, wenn er nicht vielmehr betrübend

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