Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
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Die Ebioniten des alten Testaments. 69 genährt, gepflegt und verbreitet. Sie, welche die hebräische Poesie geschaffen, haben auch für die Erhaltung der alten Literatur gesorgt; denn nur in diesem Kreise sind die Geschichtsbücher, die alten Propheten, die Psalmen (so weit sie damals schon vorhanden waren) und die Sprüche gesammelt und dem Gedächtnisse des ganzen Volkes anvertrant worden. Sie haben endlich auf die Eunuchen ans dem Davidischen Hause an dem Hofe (סריסים) eingewirkt, daß diese sich bei dem Sieger Cyrus für die Rückkehr der Exulanten eifrig verwendet und sie durchgesetzt haben. Sie haben also die schönere Zeit herbeigeführt, ihnen hat das Judenthum der biblischen Zeit viel, fast Alles zu verdanken. Die Innerlichkeit der Religion haben sie ganz besonders geschaffen und begründet. In wie fern diese Anawim und Ebioniten noch während des zweiten Tempels gewirkt, und ob sie in die Assidäer eingemündet haben, muß einer späteren Untersuchung Vorbehalten bleiben. Zum Schluffe nur noch die Andeutung einiger Consequenzen, welche aus dem Resultate folgen, (und es dürfte wohl unanfechtbar sein), daß die Armen und Niedrigen in der Bibel eine Klasse, wenn man will, eine zusammenhängende Vereinigung, ausmachten, in deren Mitte tiefere Religiosität, Sittlichkeit, Poesie und Musik eine Heimath hatte, daß sie mit den besitzlosen Leviten identisch waren, und daß sie als die Erzeuger einer eigenen Literatur — der Psalmen — anzusehen sind, die man die anawitische nennen müßte. Diese Beleuchtung wirft auch einen Reflex auf die großartige Composition des Buches Hiob, die uns scheinbar so fremdartig anblickt, daß Jbn-Esra sie als die Uebersetzuug eines außerisraelitischen Originals angesehen hat. Renan behauptet noch, alles Ernstes und mit vielem Aufwands von verführerischer Rhetorik, daß dieses Buch keine Spur rein israelitischer Verhältnisse, sondern allgemeine semitische Züge zeige, oder, was weiß ich, eine idumäische, themanitische Weisheit lehre. Freilich, wenn man an die biblische Literatur mit den Maßstäben: