Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Moniten des alten Testaments. 55 Weil dieser Schlüssel zur Entzifferung der Psalrnisten-Literatur, die hohe Bedeutung des Kreises der Anawim und Ebionim, unbekannt war, ist in der Auslegung der Psalmen so vielfach gesündigt worden. Nicht bloß der in historischer Ausdeutung allzu maßlose Hitzig, sondern auch der besonnene und taktvollere I. Olshausen beziehen den Königspsalm (72) auf einen ausländischen König, versetzen ihn in die hellenische Zeit und erklären ihn als einen Hymnus auf den König Ptolomäus Philadelphus. Warum? Weil darin im Eingänge von ״Deinem Volke und Deinen Armen" (עמך . . . ענייך) die Rede ist. ״Der König, für dessen gerechte und glückliche Regierung hier von der Gemeinde gebetet wird, kann mit Rücksicht auf die Parallele: עמך und ענייך, nicht wohl ein vorexilischer König Israels sein, sondern wird mit großer Wahrscheinlichkeit für einen heidnischen, aber gegen Israel günstig gesinnten König gehalten werden, für welchen die Gemeinde öffentliche Fürbitte beim Gottesdienste anzuordnen sich veranlaßt sah" (Olshausen, die Psalmen S. 305). Nach dem Vorausgeschickten kann es nicht zweifelhaft sein, was hier das ״Gottesvolk" bedeutet. Die ״Dulder" (ענ״מ oder ענדם, die עניי עם) oder die Ebionim, das sind Gottes Volk. Es ist ein durchaus anawitischer Psalm. Wenn oben reservirt angegeben wurde, daß der Psalm sich vielleicht auf den König Ezekia bezieht, so darf man wohl nach den gewonnenen Ergeb- Nissen behaupten, daß er mit historischer Wahrscheinlichkeit diesen König zum Mittelpunkte hat. Wie der Prophet Jesaias, so hat auch dieser Psalmist die größte Hoffnung auf diesen edlen König gesetzt, daß er eine sittliche Umgestaltung des Staates herbeiführeu werde: Er werde den ewigen Frieden herstellen, werde die Völker unterwerfen und (wie der anawitische Dichter pro domo hoffte) den hilflosen, verfolgten Duldern kräftigen Beistand leisten. Wegen dieser sittlichen That, der Wiederherstellung des gekränkten und geschmäh-