Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ebioniten des alten Testaments
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 Die Ebioniten des alten Testaments. zu führen? Du hassest doch Zucht und wirfst meine Worte hinter Dich."" ... Wer Dankopfer bringt, mich ehret, und zwar in harmlosem Wandel, ihn werde ich Gottes Beistand sehen lassen" (Ps. 50, 16, 17, 23). Diese scharfe Spitze scheint gegen einen Priester ans dem ahronidischen Hause, einen Vertreter des officiellen Cultus, gerichtet zu sein. . Die poetischen Dulder, welche wegen ihrer idealen Sittlichkeit und ihrer innerlichen Religiosität so heftige Reibungen mit den Vertretern der officiellen Staatsordnung gehabt und so tiefe Spuren in der biblischen Literatur hinterlassen haben, daß man berechtigt ist, mindestens die Psalmen als eine anawitische Literatur zu bezeichnen, sie verdienen wohl, daß man ihren Spuren vom ersten Augenblick ihres Auftretens bis zu ihrem Verschwinden nachgeht. Der erste Schriftsteller, der von ihnen spricht, ist der Naturprophet von Tekoa. Bis dahin wird uns die Geschichte von Juda und Israel nur an ihrer äußeren Oberstäche gezeigt, Könige und Priester, Kriege und weltliche Bestrebungen. Von dem inneren Leben der in zwei Hälften gespaltenen Nation haben wir nur geringfügige Nachrichten. In Amos' Zeit (810—800), während der Regierung der zwei Könige Jerobeam II. und Usija, welche ihren Ländern die ehemalige Macht wiedererobert hatten, gewahren wir die Anawim im elenden Zustande, bedrückt, geplagt und als Parias von den Großen und Reichen, besonders im Reiche Israel, behandelt. Mit Entrüstung sprach dieser Prophet von der Mißhandlung dieser Unglücklichen. Er donnerte auch gegen die Beschränkung der Redefreiheit, daß sie ״den Propheten das Sprechen verboten, die Rügenden gehaßt und die Wahrheit Sprechenden verabscheut haben." Aber wir erkennen hier noch nicht, ob diese geknebelten Propheten mit den Anawim im Zusammenhangs standen. Ein Jahrhundert später, in Jesaias' Zeit, erscheinen sie zwar noch immer als die Verfolgten und Gehetzten; aber in den Augen des großen Propheten gelten sie schon als die Anserwähl-