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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 11 · p. Seite 433

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 11
Article
[Rezension]
Date
1868-01-01
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
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Recensionen und Anzeigen. 432 sophie von den Anschauungen der Aufklärung wesentlich beeinflusst worden sei. Allein dies sind Fragen, welche den eigentlichen Kern des von unserem Verfasser behandelten Gegenstandes wenig berühren. Indem der Verf. auf Moses Mendelssohn übergeht, macht er mit Recht auf das nicht geringe Verdienst der Popularphilosophie aufmerksam, welches darin bestand, dass sie sich bemühte, ein Feld der Wissenschaft wieder anzubauen, welches der voran־ gegangenen Zeit der Aufklärung fast vollständig abhanden gekommen war, wir meinen die philosophische Aesthetik. Diese auffallende Vernachlässigung der Kunstbetrachtung hatte ihren Grund nicht nur in der Nüchternheit und Unempfänglichkeit jener Zeitrichtung, deren vorherrschende Tendenzen auf Moralisirung und Aufklärung des Volkes gerichtet waren sondern hängt zum grossen Th eile auch mit der niedrigen Stellung zusammen, welche der Sinnlichkeit oder, wie sie damals hiess, dem unteren Seelenvermögen in der unumschränkt herrschenden Leibnitz־Wolff *sehen Philosophie zuertheilt wurde. Obwohl Leibnitz selbst durch seine wunderbare Universalität davor geschützt war, die Bedeutung der Aesthetik zu übersehen oder zu unterschätzen und in der That auch nach dieser Richtung hin manchen anregenden Gedanken geäussert hatte, so lag doch der Keim der gerügten Vernachlässigung schon in Leibnitzen’s Auffassung der Sinnlichkeit als verworrener und dunkler Vorsteihing. Ja selbst zur Zeit, als durch Baumgartens Einführung der aesthetischen Wissenschaft in das System der damals dominirenden Zeitphilosophie kunstphilosophische Untersuchungen wieder in Schwung gekommen waren, hatte die neue Lehre einen harten Kampf zu bestehen, bis sie diesen Begriff und seine Gon- Sequenzen völlig überwand. Wir glauben, dass dieser Umstand von dem Verfasser unserer Schrift mehr hätte hervorgehoben werden müssen, als es von ihm geschieht. Dass jene Leibnitz’sche Lehre in der That von so nachhaltigem Einflüsse auf das Schicksal der Aesthetik gewesen ist, beweist übrigens am treffendsten der Umstand, dass Baumgarten einer Entschuldigung dafür zu bedürfen glaubte, dass er der Untersuchung jener Wissenschaft seinen Fleiss zugewendet habe, trotzdem den aesthetischen Be- Strebungen doch nur ein Werth für die niederen Seelenkräfte beiwohne. Ritter, in seiner Geschichte der Philosophie, vergleicht Frankel, Monatsschrift. XVII. 11. 33

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