Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
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Reccnsionen und Anzeigen. 431 lassen. Wer einem Manne wie Mendelssohn, dessen ausserordentliche Bescheidenheit von Allen, die je mit ihm in Berührurig gekommen sind, nachdrücklichst hervorgehoben wird, derartige Vorwürfe zu machen im Stande ist, von dem darf es uns auch nicht Wunder nehmen, wenn er in seiner Beurtheilung der litterarischen Leistungen Mendelssohn’s an Ausdrücken, wie Flachheit, Unwissenheit und ähnk fast unerschöpflich zu sein scheint. Dem Beispiele ihres Meisters folgend hat es denn die Ilegel’sche Schule überhaupt an ebenso schiefen wie ungerechten Urtheilen über Mendelssohn nicht fehlen lassen. Uns genüge es hier, auf die Darstellung zu verweisen, welche Rosenkranz in seiner Geschichte der Kant’schen Philosophie von Mendelssolm gibt, um einzusehen, zu welchen Albernheiten ein tibel angebrachter Pragmatismus in Hegelscher Manier seihst einen sonst so feinen Kritiker, wie es Rosenkranz unleugbar ist, zu verleiten vermag. Um den gewaltigen Eindruck zu erklären, welchen Mendelssohn auf Männer wie Garve, Lessing und Kant gemacht hat, begnügt man sich, darauf hinzuweisen, dass es vorzugsweise der Jude Mendelssohn gewesen sei, an welchem die damalige Zeit ein so hervorragendes Interesse nahm, weil man erstaunt war, ״einen aufgeklärten, mit so viel Geist und Charakter ausgestatteten Juden und in ihm die Sehnsucht nach dem allgemein Menschlichen, für das man schwärmte, verkörpert zu sehen.‘4 So viel Richtiges auch einerseits diese Bemerkung enthält, so bot sie doch andererseits ein Vehikel, Mendelssohn’s Verdienst um die deutsche Litteratur herabzusetzen und die ihm zuerkannte Stellung in derselben einzig und allein auf diesen äusserlichen Umstand zurückzuführen. Man kann zugeben, dass ein gut Theil der Begeisterung, welche man Mendelssohn entgegenbrachte, der ungewohnten Erscheinung eines vollständig auf der Höhe seiner Zeit stehenden Juden galt, ohne ihn deshalb in eine Reihe mit Männern wie Sulzer, Teller oder Engel zu stellen. Man kann es für eine Ueberschwänglichkeit jener Zeit erklären, wenn inan damals in Mendelssohn einen zweiten Sokrates zu sehen glaubte, oder wenn selbst Lessing (freilich in einem Briefe vom Jahre 1754) von ihm sagt: ״seine Redlichkeit und sein philosophischer Geist lässt mich ihn im Voraus als einen zweiten Spinoza hetrachten, dem zur völligen Gleichheit mit dem ersten nichts als seine Irrthümer fehlen werden"; man kann solchen Uebertrei-