Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Alliance Israelite Universelle. 413 pathische Anmuth zur Schau, die man auch in allen seinen Bewegungen wiederfindet. Die Zahl der falaschischen Bevölkerung scheint eine ziemlich beträchtliche zu sein. Bei der grossen Ausdehnung des Landes und der isolirten Lage ihrer Wohnungen ist es aber unmöglich, diese Zahl genau anzugeben. Die Schwierigkeit hierbei wird noch grösser, indem Unsicherheit im Lande die Bewohner der Ebenen uöthigfc, ihre Wohnsitze zu verlassen und auf den Bergen ein Asyl zu suchen. Die weiten und fruchtbaren Ebenen von Dembea und Bequemeder, die einst so dicht bevölkert waren, gewähren jetzt den Anblick einer Einöde; ihre ehemalige Bevölkerung ist theils decimirt, theils zur Auswanderung veranlasst worden. Doch war ich so glücklich, über diesen wichtigen Theil des jüdischen Volkes sehr genaue Angaben zu erhalten. Mein Verzeichniss enthält nicht weniger als 160 Ortschaften mit ihren Namen und ihrer Einwohnerzahl, die sich mitunter bis auf mehr als 11,000 Familien, d. h. bis auf 50 oder 60,000 Seelen beläuft. Bedenkt man ferner, dass die Zahl der Dörfer und Weiler im amharischen Lande unberechenbar ist und fast jedes dieser Dörfer mehr oder weniger falaschische Familien enthält, so ist man berechtigt, die Gesammtzahl der Falaschas mindestens auf das Dreifache der im Verzeichnisse angenommenen Summe zu veranschlagen, d. h. auf ungefähr 30 bis 40,000 Familien oder auf 150 bis 200,000 Seelen. Sie bilden demnach nahezu den 10. Theil der Bevölkerung des Landes. Die Beziehungen der Falaschas zu den Amhara sind nicht minder merkwürdig. Der Abessinier braucht den Juden, um sich von ihm die nothwendigsten Acker- und H au sgeräth schäften an fertigen zu lassen, auch hasst er ihn nicht, obwohl er ihn für einen Ungläubigen, für den Mörder des Heilandes hält. Im Gegentheil, der Aberglaube schreibt den Falachas die ausschliessliche Kenntniss der Magie und der übrigen Geheimwissenschaften zu, und so werden sie dadurch ein Schrecken für ganz Amhara. — Bis zum Regierungsantritte Theodors konnte der Jude