Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 12)
- Language
- German
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412 Die Alliance Israelite Universelle. ףbildeten. Von ihren Schicksalen seit der christlichen Aera wissen sie nur sehr dunkel und verworren zu erzählen. Sie berichten, dass sie einst ein unabhängiges Königreich unter der Herrschaft von Königen und Königinnen Namens Gideon und Judith, gebildet haben. Ein ehrwürdiger Greis Namens Abba Guidon, der in Semen wohnt, gilt für den Nachkommen der verfallenen Dynastie, deren Namen er führt. Der ehemalige Gouverneur von Semen, Oubie, der sich übrigens zur christlichen Religion bekennt, hält fest an dem Glauben, dass seine Familie von jenen jüdischen Königen, seinen Vorfahren, nur durch sieben Generationen getrennt sei. — Die Wiederhersteh lung der jüdischen Nationalität ist einer der wichtigsten Glaubensartikel bei den Falaschas. Ueber die Ankunft des Messias haben sie keine theoretische Vorstellung, sie gebrauchen selten das Wort Messih, um die zukünftigen Beherrscher der ganzen Nation zu bezeichnen, sondern nennen ihn vielmehr ״Sohn des Löwen“, anspielend auf seinen Ursprung, der aus dem Stamme Juda sein muss. Bisweilen nennen sie ihn den grossen Theodor, eine Benennung, die den chiliastischen Legenden des abessinischen Volkes entlehnt ist. Als sie zum ersten Male die Missionäre kategorisch behaupten hörten, dass der Messias dereits gekommen sei, beeilten sie sich an den obengenannten Hohenpriester schriftlich die Frage zu richten, ob diese Nachricht begründet wäre. Ihre Absicht lag offen genug5 sie würden im Falle einer bejahenden Antwort das Land ihrer Verbannung schaarenweise verlassen haben. Der Charakter der Falaschas hat einen Zug aufzu weisen, der sie von den übrigen Völkerschaften Aethiopiens vortheilhaft unterscheidet. Im Gegensätze zum Abessinier? der Alles wissen möchte und seiner Würde zu vergeben glaubt, wenn er von einem Europäer etwas lernt, gesteht der Falascha seine Unwissenheit ein und zeigt grosse Lernbegierde. Weniger träge und bei Weitem einsichtsvoller als die übrigen Völkerschaften haben die Falaschas die Gabe, sich in kurzer Zeit den Sitten der civilisirten Nafcionen anzupassen. Wenn die schöne Stirne des Falascha nicht vom Zorne gefurcht ist, trägt sie eine gewisse sym-