Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 14)
- Language
- German
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414 Die Alliance Israelite Universelle. Verwaltungsbeamter sein. Dieser König, dessen Streben auf Glaubenseinheit gerichtet war, nahm ihnen diese Befugniss mit Gewalt. Hierauf kamen die Proselytenmacher, die eine Verfolgung gegen diesen unschuldigen Theil der Bevölkerung ins Werk setzten. Die fanatischen Europäer drangen bis in die friedlichen Wohnungen der Falaschas, man bestach die Einen, beredete die Anderen, man rief den Arm der weltlichen Macht zu Hilfe, um den Bekehrungen desto grösseren Hach druck zu verleihen. Geblendet von Ehrgeiz und Hass gegen das Judenthum, führten die protestantischen Puritaner ihre jüdischen Neophyten der ketzerischen abessinischen Landeskirche zu, nur um sich die Protection desAbanna, des Erzbischofs der abessinischen Kirche, nicht entgehen zu lassen. — Man bereitete einen Entscheidungsschlag gegen das sinaitische Gesetz vor und wollte unter grossem Aufsehen den Illuminaten von Europa den Sturz des Judenthums in Aethiopien verkünden. Mehrere falaschische Priester wurden vor den Hof von Gondar zu einer religiösen Disputation geladen. Die Fanatiker und Apostaten entwickelten hierbei eine angestrengte Thätigkeit, um dem Kreuze den Sieg zu sichern. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich der bedrängten Falaschas, sie wähnten sich in die Zeiten des Antiochus zurück versetzt. Aber bald zeigten sich zum Glücke ihre Maccabäer. Die jüdischen Priester kamen nicht allein, sondern begleitet von Hunderten ihrer wackeren Glaubensgenossen, Der Disput begann und wurde mit Hitze fortgeführt. Der König, gereizt durch die Hartnäckigkeit der jüdischen Priester, befahl seinen Soldaten, auf die Rebellen anzuschlagen. Doch unerschrocken riefen diese einstimmig: ״Wir sind jeden Augenblick Alle bereit, für die Sache unserer Religion zu sterben". Der ritterliehe König Theodor bewunderte die Standhaftigkeit der Falachas, entliess alsbald die Versammelten und schickte den jüdischen Priestern kostbare Geschenke. Die Sache der Missionäre verschlimmerte sich hierauf von Tag zu Tag. Ja es kam so weit, dass ein Apostat gegeisselt und hierauf in Fesseln gelegt wurde. Der König liess sich den Briefwechsel der Europäer über-