Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Alliance Israelite Universelle. 411 auf andere apokryphische Bücher gründen, von denen einige aus sehr verdächtiger Quelle zu körn men scheinen, an der sie aber gleichwohl mit einer Zähigkeit festhalten, die einer besseren Sache würdig wäre. Ohne Kenntniss eines mündlichen Gesetzes haben sie ihr Verhalten nach Gewohnheitsregeln eingerichtet, hervorgegangen aus einer ganz besonderen Art und Weise der Textesauslegung, die nicht immer mit der Erklärung der übrigen jüdischen Secten übereinstimmt. Man umhüllt sich beim Gebete nicht mit einem Talith; man kennt auch nicht den Gebrauch der Gebetriemen, ebensowenig sind die Thüren mit der Mesusah versehen. Bei einem Volke, welches schon seit Jahrhunderten fern von den bewegenden Ereignissen der Welt sich befindet, kann man keine besondere Entfaltung der Geisteskräfte voraussetzen. Indessen haben wir auch hier einen neuen Beweis, dass der jüdische Geist sich nirgends ganz verleugnet. So haben auch die Falaschas ihre Literatur, in aethiopischer Sprache nach Art der Apokryphen im Stile der Midraschim geschrieben Der Mysticismus, der schon so viel Unheil angerichtet hat, ist auch bis nach Abessinien gedrungen, mit seinem Gefolge von Daemonen, Engeln und Zauberern. Beschwörungen und Amulette sind bei den Falaschas minder gewöhnlich als bei den Christen und Mohamedanern. Doch der blinde Glaube des Volkes verschafft jedem Aberglauben leichten Eingang. Man sieht nicht selten Falaschas sich an der Lectüre kabbalisfcischer Namen aus Büchern erbauen, deren nichtjüdischer Ursprung unverkennbar ist und die man mit grosser Kühnheit dem leichtgläubigen Volke aufzudrängen nicht verschmäht, Die Traditionen, welche die Falaschas über ihren Ur- Sprung bewahrt haben, bieten ein Gemisch von Dichtung und Wahrheit, das sehr schwer zu sichten ist. Sie berichten über ihre Einwanderung genau dasselbe, wie die Christen, sie behaupten nämlich, die Abkömmlinge jener jüdischen Gesandten zu sein, die das Ehrengeleite derMaqueda, der berühmten Königin von Saba und ihres Sohnes Menilek, der den König Salomo zum Vater hatte.