Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Die Alliance Israelite Universelle. aus Adiaba. Ihr Vaterland geht ihnen über Alles und sie sind entrüstet über Jedermann, der es wagt, eine ungünstige Bemerkung über Abessinien und seine Bewohner zu machen. Die Justiz befindet sich in den Händen der Aeltesten (Chimaqu61i6). Alle Klagen und Prozesse kommen vor sie und ihrer Entscheidung fügen sich stets beide Parteien. Niemand wagt es, sich zu widersetzen oder an eine amharische Obrigkeit zu appelliren. Die Falaschas sind meist heftig, Streitigkeiten unter ihnen daher nicht selten. Jeder vertheidigt seine Sache mit grosser Beredtsamkeit unter ausdrucksvollen Geberden; aber dieses Feuer der Rede wird nie auf die Spitze getrieben, und sobald Jemand als Vermittler dazwischentritt, vergessen sie Alles was da hätte geschehen können, und reichen sich brüderlich die Hand. Zur Ehre der Frauen sei übrigens noch erwähnt, dass sie fast nie das gute Einvernehmen mit den Nachbarn durch Wortwechsel ihrerseits stören. — Die Religionseinheit der Falachas besteht seit undenklichen Zeiten. Noch nie gab es ein Schisma oder eine Secte. Jede Provinz, jede Stadt unterwirft sich willig den Entscheidungen ihres Priester und ihrer Debteras. Jede Gemeinde ist autonom und unabhängig; nur wo es die Sache der Religion gilt, vereinigen sie sich zur Abwehr des gemeinsamenFeindes. Nur durch diese Einigkeit ist es den schwachen und unwissenden Falaschas möglich geworden, gegen das Andringen der heiligen Schaar der Missionäre und gegen die vielen Bekehrungsversuche ,,ad majorem Del gloriam et ecclesiae“ mit Erfolg Stand zu halten. Die Falaschas nehmen unter den Juden eine ganz besondere Stelle ein. Ihre Gebräuche und Ceremonien machen den Theologen im höchsten Grade stutzig. Sie besitzen unseren ganzen Canon in aethiopischer Sprache, nebst den von der abessinischen Kirche adoptirten apokryphischen Büchern. Mehrere unserer eeremoniellen Gebräuche finden sich bei den Falachas gar nicht, wie z. B. die halbfeste Chanukah und Purim. Andererseits beobachten sie verschiedene Ceremonien und halten namentlieh eine ziemliche Menge von Halbfeiertagen, die sich