Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Alliance Israelite Universelle. 409 sind ihren Männern bei der Arbeit behülflicli und verlassen sie nur, wenn sie die häuslichen Bedürfnisse zu besorgen haben. Die jungen Knaben hüten die Heerden, die jungen Mädchen gehen Wasser schöpfen oder verbringen ihre Zeit mit Spinnen. Der Handel ist bei den Falaschas nicht gerade blühend. Sie betrachten ihn als etwas der Redlichkeit Widerstrebendes und halten mit besonderer Strenge darauf, dass die Beobachtung der religiösen Vorschriften nicht darunter leide. Den Sklavenhandel verabscheuen sie vollends, er gilt ihnen für gesetzwidrig. Wenn ein Falascha durch Zufall in den Besitz eines Sklaven gelangt ist, so versucht er zunächst ihm die zehn Gebote und die Reinlichkeitsgesetze beizubringen. Er wird fortan als Jude betrachtet, darf nicht wieder verkauft werden, und seine Dienstzeit beträgt höchstens sechs Jahre. Rach Verlauf dieses Zeitraumes wird er in den Schoss der jüdischen Nationalität ohne irgend welche Beschränkung aufgenommen und in allen Stücken als Jude angesehen. Die Sklaven hingegen, die sich gegen die Glaubenslehren des Judenthums sträuberi, können weder zur Zubereitung von Lebensmitteln noch zu anderen häuslichen Verrichtungen gebraucht werden, da ihre Berührung jeden Augenblick beschwerliehe Reinigungen erheischen würde. Solche Sklaven werden sorgsam gemieden. Wenn nun die Falaschas den Handel verschmähen, so tragen sie doch nicht im Mindesten Bedenken, als Soldaten in die Armee einzutreten. Sie sind sehr tapfer und verth ei di gen sich mit viel Muth gegen ihre Angreifer. In den Provinzen, wo sie in grösserer Zahl auftreten, wissen sie sogar ihren Nachbaren Achtung einzuflössen, die sie fast niemals ungestraft an greifen. Während z. B. die Falaschas des Nordens die bittersten und grausamsten Er- Pressungen erdulden müssen, sind die jüdischen Bewohner von Alyefer und Kuara ein Schrecken in den Augen der Amharen. Der König Theodor zählte sie in seiner Armee nach Tausenden, und unter den unglücklichen Kriegern, die von Tsaddiq bei seinem Einfall in Algueden befehligt wurden, befand sich eine grosse Anzahl Falaschas