Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Die Alliance Israeiite Universelle. suijg Israels, die Liebe zu Jerusalem, der sehnsüchtige Wunsch, eine glückselige Zukunft für die ganze Menschheit eintreten zu sehen dies sind die Ideen, deren Ausdruck ihnen Seufzer und Thränen erpresst, untermischt mit Ausbrüchen des Gefühls der Freude und Hoffnung. Die Morgendämmerung findet die geweihten Schaaren der Gottesdiener stets in Andacht versammelt und die Sonne geht nie unter, ohne dass zuvor das Echo in der Umgegend durch die Laute dieser unermüdlichen Beter zweimal herausgefordert worden wäre. Das mit dem Ausrufe Abba! Abba! (Vater! Vater!) beginnende Gebet-, wie auch unter häufigen Kniebeugungen die Worte Abiel! Abiel! (Herr! Herr!) werden mehrere Male mit einer ausserordentlichen Inbrunst hervorgestossen. — Der häusliche Herd ist nicht minder rein als das Heiligthum. Die Frau ist fast unabhängig, aber arbeitsam und massig, führt eine reinliche Wirtschaft und lässt die Familie die Früchte ihrer Arbeit gemessen. Sie besorgt das Hauswesen, und der Liebe ihres Gatten gewiss, ist sie ihm in den schwierigsten Lagen und Lehensverhältnissen stets treu zur Seite. Polygamie ist gesetzlich nicht verboten, gilt jedoch für tadelnswert. Kebsehen sind gänzlich unbekannt, Heiraten werden erst in Reiferem Alter geschlossen, von einem Ehescheidungsfalle hört man nur äusserst selten. Die Neuvermählten gehen in den ersten zehn Tagen nicht aus dem Hause. Bei einem Todesfälle besorgen drei oder vier Personen die Waschung und Beerdigung, das Volk begleitet die Leiche bis zum Zaune des Begräbnissplatzes unter dem Absingen von Gebeten. Sieben Tage später rasirt man sich das Haupthaar und bringt das übliche Todtenopfer Die Debteras und die Armen nehmen Theil an dem Mahle und ermangeln dann nie, die Tugenden desjenigen zu preisen, den die Familie eben verloren hat. Die Falaschas, die sich eines guten Rufes als Landwirte erfreuen, repräsentiren zu gleicher Zeit auch die Industriellen im Lande. Alle Handwerke werden fast ausschliesslich von ihnen betrieben Sie sind Schmiede, Böttcher, Töpfer, Weber, Zimmerleute u. 8. w. Viele unter ihnen verstehen mehrere Handwerke zugleich. Die Frauen