Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Alliance Israelite Universelle. 407 (קזנוקעם) wird nur vom Hohenpriester am Versöhnungstage betreten. Der übrige Theil dies Tempels ist für die Priester während des Gebetes geöffnet; das Volk stellt sich im Hofe auf, jedoch sind beide Geschlechter getrennt. Diese strenge Einrichtung namentlich in Betreff des Vorrechtes das dein Hohenpriester zustehet, ist bereits fast in Vergessenheit gerathen, und die Naziräer betreten den Tempel gerade so gut wie die Priester. In einer Ecke des Hofes befindet sich der Altar aus rohen Steinen aufgeführt; es werden Opfer daselbst gebracht, die eher den Charakter einer herkömmlichen Ceremonie als den einer vorgeschriebenen Pflicht an sich tragen. Darum sucht man sie auch nie mit den Vorschriften des mosaischen Gesetzes in Einklang zu bringen. An Sabbathen und am Jom Kippur werden keine Opfer gebracht. Von allen Opfern sind die gewöhnlichsten die für die Ruhe der Verstorbenen, wie dies auch bei den verschiedenen Völkerschaften Abessiniens der Fall ist. In der Umgebung des Tempels zerstreut liegen die Wohnungen der Priester, welche das Heiligthum bewahren. Sie beobachten eine strenge Reinlichkeit, bebauen ihre Felder, bereiten sich selbst ihre Nahrung und halten sich fern vom Gewühle der Aussenwelt. Das Volk gibt ihnen einen Theil der Ernte und auch andere Geschenke, namentlich an dem Vorabende der Hauptfeste. Die Priester beschäftigen sich vorzugsweise mit der Erziehung der Kinder, denen sie die Bibel und die traditionellen Gebrauche beizubringen suchen Dasselbe thun die Asceten oder Naziräer, die das Gelübde der Enthaltsamkeit und des Cölibats abgelegt haben und geistlichen Studien sich hingeben. Das Studium der biblischen Geschichte ist ziemlich verbreitet. Unglücklicherweise wird die Schreibkunst nur selten in das Programm der Lehrgegenstände mit aufgenommen. In der Mitte des geweihten Umkreises lassen die Priester ihre Gebete zum Himmel aufsteigen. Von Mitternacht an hört man die hellen taktgemässen und melancholischen Töne der Vorsänger, denen das monotone Recitativ der Umstehenden erwidert. Das Lob des Ewigen, die Erlö-