Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Die Alliance Israelite Universelle. heeren, so gibt es wenig Milch und noch weniger Butter. Käse wird in Abessinien nicht bereitet. Die Falachas bauen ihre Häuser stets in der Nähe fliessenden Wassers, um ihre zahlreichen Waschungen mit grösserer Leichtigkeit vollziehen zu können. Ihre Möbel sind höchst einfach. Eine Matte oder ein Fell dient ihnen als Tisch, als Stuhl und als Bett, doch findet man zuweilen auch das Alga oder das An gare h von Sudan, eine Art Bett, durch netzartig verschlungene Schnüre zusammengekntipft. Flaschenkürbisse von verschiedener Grösse dienen ihnen als Becher, Schüssel und Flaschen. Zwei Steine zum Mahlen des Korns, des Kaffe’s und des unvermeidlichen rothen Pfeffers finden sich am Eingänge eines jeden Hauses vor. Eine Cisterne zur Aufbewahrung von Wasser und gährenclem Bier, einige Geräthe aus ge׳ brannter Erde zur Zubereitung von Brot und anderen Gerichten fehlen nie in einer gut eingerichteten Wirthschaft. Die Gruppirung der Häuser ist bei den Falaschas nicht dem Zufall überlassen. Das Haus des Familienvaters ist immer in der Nachbarschaft des seiner Eltern. Zur Seite ist eine kleine Hütte errichtet, welche alle diejenigen aufnimmt, die sieh durch ein kaltes Bad bei Sonnenaufgang zu reinigen haben. In einiger Entfernung vom Hause und manchmal selbst ausserhalb des Zaunes, welcher gewöhnlich die Häusergruppe umgibt, gewahrt man die Hütte, welche für alle diejenigen bestimmt ist, die sich erheblich verunreinigt haben, für Frauen während ihrer Hegel, für diejenigen die einen Leichnam berührt haben u. s. w. Die Aussätzigen werden noch vollständig abgesondert und sie sind oft dazu verurtheilt, die schönsten Jahre ihres Lebens unter dem Schatten eines Cactus oder Baobab zuzubringen. Aus völligem Mangel aller medizinischen Kenntnisse werden sogar oft Leute ausgeschlossen, die nicht das geringste Symptom einer Krankheit aufzuweisen haben. In einer Ecke des falaschischen Dorfes erhebt sich das Gotteshaus, Mesgid d. h, ״Ort der Anbetung“ genannt, dessen Bestimmung eher der des alten Heiligthums als der unserer modernen Synagogen gleicht. Das Allerheiligste