Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Drei Controversisten
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829360-2829370-2863844--11517-2863875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 Drei Controversisten. Als frommer Christ hielt es D. Antonio für Pflicht, dieser Behauptung entgegenzutreten, er entwickelte seine Ansichten über den Gottmenschen, ״dessen Ankunft alle Propheten verkündet hätten und der nun mit offenen Armen alle Diejenigen aufnehme, welche sich zu ihm dekennen wollten“. Ein junger Mensch von fünfzehn Jahren, welcher mit Schreiben beschäftigt in einem Winkel des Ladens sich befand, sprang bei diesen Worten auf und trat, von dem Principal des Geschäfts, seinem Oheim, aufgefordert, näher, um dem Ritter Bescheid zu geben. Es entspann sich nun zwischen D. Antonio und dem fünfzehnjährigen Knaben — dem kleinen Danielo — eine Controverse, welche sich um den Messias drehte, und auf die wir nicht näher einzugehen brauchen, da sie in ihren Beweisen und Gegenbeweisen eben nichts Neues bietet: Dauielo belegt seine Behauptungen mit den classischen Stellen aus den Prophefien und flicht dann sehr geschickt eine sechs Monate früher mit einem spanischen Dominicaner geführte Gontroverse ein9). Auch diese Controverse, welche hinsichtlich des Inhalts der früheren ziemlich gleichkommt, unterscheidet sich nur durch den Ton, welchen die Kämpfer darin anschlagen: Danielo, immer ruhig, zuweilen neckisch, immer schlagfertig, — wie weit er die Waffen Montalto’s benutzt hat, wollen wir hier nicht untersuchen, unbekannt waren sie ihm nicht —; der Mönch, aufbrausend, in beständiger Verlegenheit, rechthaberisch, bis er sich endlich auf Gnade und Ungnade Danielo als besiegt ergibt. { Der Mönch, Lehrer der Theologie in Salamanca, weleher in der frommen Absicht nach Livorno gekommen war, um dort Judenseelen zu fangen, liess von seinem Vorhaben ab, gab seine Reise nach Rom auf und wurde Jude; er und einer der ihn begleitenden Ritter verblieben noch einige Wochen in Livorno, begaben sich nach Gon- 9) Danielillo 43—103.