Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Wiederherstellung einer seit 800 Jahren im Aruch gefälschten Stelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 6)
- Language
- German
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300 Wiederherstellung einer seit 800 Jahren Ich verzichte auf das jedem zustehende Recht, über diese fünf verschiedenen Etymologien ein Urtheil ah zugeben, gewiss, sie stimmen auch darin überein, dass sie säinmtlich inehr oder minder scharfsinnig sind, aber auch darin, dass sie Jonathan etwas Anderes als die gebotene Uebersetzung des hehr. Wortes כהן in die Feder legen; höchstens Buxtorf fühlt das Bedürfuiss in schwacher Annäherungsweise, dein alten Targumisten. eine sinntragende, wenn auch nicht annehmbare, Uebersetzung zuzutrauen. Der Uebersetzer des Jonathan in der Londoner Polyglotte (wo übrigens □עוני gelesen wird) ist naiv genug, sich nicht in den Etymologien-Kampf zu mischen, er übersetzt: Sacerdos! Konnte der Uebersetzer einen Grund dafür, eine Rechenschaft geben? Gewiss nicht, denn weder אונוס noch sein עוניס bedeuten sacerdos; und dennoch hat ihn eine glückliche Ahnung geleitet, denn אונלס ist falsche Lesart, es ist dafür א לרו ס zu lesen, das heisst Ieqsvs und das ist: sacerdos. Mir tönt die missbilligende Stimme mancher Leser ins Ohr: ,,Also eine Conjectur mehr, eine sechste zu den fünf altern aus der unerschöpflichen Fundgrube der Etymologie!c; Aber ich kann lächelnd diese Stimme anhören und ertragen, sie ersehnttert meine Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der genannten Einendation so wenig, dass ich vielmehr der unbedingten Beistimmung derer gewiss bin, welche nicht vom starren Buchstaben ihr Urtheil bestimmen lassen, und welche unbefangen die folgende kurze Begründung prüfen. Schon vor 8 Jahren ist diese Conjectur ausgesprochen, worden1), aber ohne weitere Begründung, auch ist dort nur das Wort אומס und ohne Zusammenhang mit seiner Erklärung im Aruch emendirt worden. Hier nun soll gezeigt werden, dass gerade aus dem traulichen Beisammenstand des widersinnigen Wortes mit der widerlichen Deutung eine Aenderung nicht blos geboten, sondern bis zum höchsten Grade der Wahrscheinlichkeit gehoben wird, durch welche das Widersinnige gegen Gradsinniges vertauscht wird. — Dass der griechische Worttheü 18 in אל übergehen kann, bedarf keiner weitern Besprechung, zum l) Lebreclit in der hehr. Bibliogr. von Steinschneider, Band VIII. S. 136.