Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Wiederherstellung einer seit 800 Jahren im Aruch gefälschten Stelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 4)
- Language
- German
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298 Wiederherstellung einer seit 800 Jahren Namen eines Mannes ein so plumpes Schimpfwort zu heften, welcher Erfinder der ältesten Gerichtsordnung, der Berather und Führer des göttlichen Gesetzgebers, der Schwiegervater desselben, der Gast und Freund des Volkes Israel war? Und macht sich dieser Schimpf nicht zugleich den gelehrigen Moses selbst und das ganze Volk zum Gegenstände? Wir fragen nur noch, warum übersetzt hier Jonathan überhaupt das Wort כחן mit ,,Esel", da er doch hier nicht paraphrasirt und nicht allegorisirt, und sonst ja wirklich mit רבא wie Onkelos übersetzt? Und will er durchaus gegen Wahrheit und Recht den in seinem Texte verherrlichten Jethro ״Esel" nennen, braucht er diesen Esel aus Griechenland herzutreiben? ist er um das in seiner Sprache so gewöhnliche Wort המרא verlegen? Aus dem Gesagten geht schon zur Genüge hervor, dass das Wort אלגלס hei Jonathan in dem Sinne der angeführten Erklärung des Aruch und diese selbst aus innern wie aus äussern Gründen unglaublich, unmöglich, unbedingt falsch ist. Und wirklich ist neuerdings aus der so selten sichtbaren Ausgabe des Aruch aus dem 15. Jahrh. nachgewiesen worden, dass zudringliche Hände von Abschreibern Katzengold zwischen das gediegene Gold Rabbi Nathans geschoben haben, und hierdurch wird es um so gewisser, dass die angegebenen Worte אלנלס und הסלר של5 סרק unbedingt falsch sind, und diese Behauptung wird noch unwiderleglicher, wenn eine Lesart gefunden ist, welche den Stempel der Wahrheit unverkennbar vorzeigt. Es ist aber diese der Zustimmung aller unbefangenen Gelehrten gewisse Lesart keine solche, zu deren Auffindung die Anstrengung besondern Scharfsinnes das ihrige zu leisten hat, sie ist vielmehr eine solche, wie sie oft, beim Nachdenken in Rübe, durch plötzliches Auftauchen eines glücklichen Einfalls zur wissenschaftlichen Vision wird. Wohl mögen daher hundert Gelehrte diese iin Folgenden aufgestellte Emendation schon durch sich seihst kennen, und mancher mag sie gar schon veröffentlicht haben, aber unter denjenigen, welche hier mit ihr überrascht werden, dürfte mancher au8rufen: ״das ist so einfach, darauf konnte jeder kommen!" Die Emendation hat übrigens das Eigenthümliche, dass sie durch zwei sich deckende Corruptionen ihre Beglaubigung vervollständigt.