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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 7 · p. Seite 267

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 7
Article
Zur talmudischen Georaphie
Date
1868-01-01
Page
Seite 267 (sequence 4)
Language
German
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Zur talmudischen Geographie. 267 nischer und ketzerischer Gebräuche zu vermeiden, für die westliehe Kiblah: השום דהורי בה העי• Geberhaupt erschien schon deshalb die Abendseite den Juden in Babylonien als Kibiah am geeignetsten, weil Jerusalem und der Tempel südwestlieh von Babylonien liegt. Allein dieser Gegenstand beschäftigte viel früher noch und zwar aus einem anderen Gesichtspunkte die Rabbinen. Der 6. Talmud, Synhedrin 91 a, berichtet von einer Debatte, die darüber zwischen R. Jehuda Ha-nassi und Antoninus geführt wurde. Letzterer fragte nämlich, warum die Sonne zur Abendseite untergehe? R. Jehuda antwortete darauf: damit die Sonne ihrem Schöpfer Ehrfurcht bezeuge: מפגי הה חמה שוקעת במערב? א״ל כדי ליתן שלום לקונה וצבא השמים לך השתחוים• Um diese Controversen recht würdigen zu können muss man die damalige Weltanschauung sich vergegenwärtigen und sie mit ähnlichen Thematen vergleichen. Plutarch, Lehrmeinungen der Philosoph. II., c. 10, erwähnt eine entsprechende Streitfrage, nämlich: ״Welches ist die rechte, und welches ist die linke Seite der Welt?" Pythagoras, Plato und Aristoteles erklären die östliche Gegend, von welcher sich die Bewegung anfängt, für die rechte Seite der Welt, die westliche Seite für die linke. Eiupedokles setzt die rechte Seite gegen die Sommerwende, und die linke gegen die Winterwende. Die Rabbinen scheinen die Frage von der rechten Seite* der Welt mit der obigen in Betreff der Kiblah in Zusammenhang gebracht zu haben. Dort dachte man, wo der Gottesglanz, Schechina, throne, dort muss auch die rechte Seite der Welt sein. Antoninus, im Sinne der griechischen Weisen Plato und Aristoteles, vertheidigte die Ansicht, dass die östliche Seite die rechte sei, und rief darum triumphirend dem R. Jehuda zu, der ihm hierin opponirte: Warum geht die Sonne im Westen unter? Würde die westliche Seite die rechte Seite der Welt sein, warum geht die Sonne hier unter, da doch unstreitig dort die rechte Seite der Welt ist, wo die Bewegung der Weltkörper anfängt? Hierauf entgegnete ihm R. Jehuda: dies geschieht darum, damit die Sonne ihrem Schöpfer Achtung und Ehrfurcht bezeuge. Nicht daselbst ist die rechte Seite der Welt und der Thron des Gottesglanzes, שכינה? wo die Bewegung der Sonne beginnt; sondern dort, woselbst sie untergeht und sich vor ihrem Schöpfer in Ehrfurcht beugt.

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