Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 7
- Article
- R. Abraham b. Isaak, Ab-bet-din aus Narbonne
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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248 R. Abraham b. Isaak, H hervorgegängen. Bei diesem Geiste, der in dem Narbonnensischen Gelehrtenkreise herrschte, lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit voraussetzen, dass R. Abraham b. Isaak, obwohl nicht eingeweiht in die jüdischspanische Cultur, doch keine feindselige Stellung gegen dieselbe eingenommen habe. Ja er scheint sogar einige Kenntniss des Arabischen besessen zu haben, wenn anders dies daraus geschlossen werden darf, dass er auf eine an ihn gerichtete Anfrage mehrere talmudisehe Ausdrücke nach dem Arabischen erklärte 30). II. Der Narbonnensische Gelehrtenkreis zeichnete sich, wie gesagt, durch seine Vielseitigkeit aus. Er ersetzte dadurch gewissermassen seinen Mangel, an Selbstständigkeit; denn wie er einerseits in keinem einzigen Zweige jüdischen Wissens im eigentlichen Sinne bahnbrechend war, so gab es andererseits keinen einzigen Wissenszweig, der nicht in seiner Mitte die sorgsamste Pflege gefunden hätte. Narborme bildete in dieser Beziehung das verbindende Mittelglied zwischen der nordfranzösischen und spanischen Schule. Hier berührten einander die Extreme. Philosophie und Mystik, Agada und rationelle Exegese, Dichtung und Talmud, mit einem Worte, die verschiedensten Richtungen des jüdischen Geistes fanden in Narbonne ihre Vertreter. R. Abraham b. Isaak vertritt in diesem Kreise die streng- 80) Responsen-Sammlung ms. Nr. 480. Ich theile die Erklärungen nicht mit, da sie sich sämmtlich im Aruch Nathan b. Jechiel’s wiederfinden. R. Abraham b, Isaak hat sie jedoch schwerlich dem Aruch Nathan h. Jechiel’s entlehnt, da er ihn nicht nennt und er es sonst niemals unterlässt, die Quelle anzugeben. Der Aruch, der um 1101 vollendet wurde, war um 1130 — 40, in welche Zeit eben das genannte Responsum fällt, vielleicht noch nicht bekannt in Narbonne, wenn er auch in Nordfrankreich bekannt war. Zwischen den jüdischen Gelehrten Nordfrankreichs und Italiens war vermittelst Deutschlands der literarische Verkehr grösser als zwischen Nord- und Südfräilkreich. Vgl. Ozar Nechmad I. Jahrgang, p. 107.