Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 19)
- Language
- German
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Voltaire und die Juden. 219 er nicht revociren konnte. Bald wollte er die deutschen Juden mit demselben Eifer und gleicher Wärme wie seine engeren Stammgenossen verth eidigfc haben; bald behauptete er: die durchschlagende Differenz zwischen diesen und jenen, sei nicht seine Schuld, sie sei vorhanden, und er habe sich dazu nur als treuer Historiker verhalten, als hätte er vergessen, dass er doch gerade Apologet sein wollte, und ein Vertheidiger darf doch nicht selbst einen Stein auf seinen Clienten werfen. War es schon lieblos von ihm, dass er die Hand dazu geboten hat, die deutschen Zuzügler aus Bordeaux vertreiben zu lassen, so war es noch liebloser, dass er einer Welt des Hasses und Verachtung gegenüber die Niedrigkeit dieser Kaste zugestand und sie in Schatten stellte, um desto mehr Licht auf die angeblich adelichen portugiesischen Juden fallen zu lassen. Ohne dass Mendelssohn den hässlichen Hintergrund der Pinto’schen Broschüre kannte, missfiel ihm seine Art der einseitigen Apologie, und er konnte es nicht unterlassen, sein Lob auf den Verfasser mit einem feinen Tadel anzuhauchen. Als dieser ihm seine sogenannte philosophische Schrift gegen die Materialisten zugesandt hatte, schrieb Mendelssohn an den Vermittler Simon Sommerhausen im Haag: ״Herr Pinto ist mir aus seinen Schriften wohl bekannt. .. Hätte die Nation zehn Schriftsteiler wie Pinto aufzuweisen, die Voltaire's würden mit anderer Achtung von uns sprechen. Pinto muss es uns Hochdeutschen nicht übel nehmen, dass wir uns auch etwas auf seine Rechnung zu Gute thun; wir sind immer noch Kinder Eines Vaters, so wenig er es in seinei^ Apologie hat gestehen wollen4).‘6 Und Voltaire? De Pinto hatte ihm seine Apologie mit einem enthusiastischen, fast vergötternden Begleitschreiben zugeschickt, dem er, der Eitle, nicht widerstehen konnte. Er richtete daher eine Antwort an ihn (Juli 1762), das dem horazischen Bilde gleicht: im Anfang ein schöner 4) M. Mendelssohn’s gesammelte Schriften herausgegeben von Dr. G. B. Mendelssohn V. S. 528. 17*