Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 15)
- Language
- German
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Voltaire und die Juden. 215 die sich dessen noch nicht schuldig gemacht haben.“ Auch die polnischen und deutschen Juden seien zu bewundern wegen ihrer Standhaftigkeit, ihres Muthes und ihres Märtyrerthums, mit denen sie der Religion treu bleiben, die doch auch von denen heilig geachtet wird, die sie jetzt verdammen. Zeigen sie nicht Selbstverleugnung genug, dass sie so viele zeitliche Vortheile um ihres Glaubens willen opfern? Nicht der heiligen und göttlichen Religion dürfe man die Niedrigkeit der Gesinnung gewisser deutscher und polnischer Juden beimessen, sondern der Nothwendigkeit, der Verfolgung, den Zufällen-, diese haben sie dahin gebracht. Wenn es unter diesen Unglücklichen welche gegeben hat, die Münzen beschnitten haben, so bilden sie nicht die grösste Zahl dieser Schuldigen. — Wenn sie Trödler sind, so ist das ein Geschäft wie ein anderes, der Gesellschaft auch nützlich und gestattet; Molifere’s Vater war ebenfalls Trödler. — Voltaire will die Juden nicht im Feuer verbrannt wissen; inan verbrennt aber auch mit der Feder, und dieses Feuer ist um so grausiger, als es auf die künftigen Geschlechter übergeht. Was kann man von dem blinden und wilden Pöbel erwarten, wenn es sich handeln sollte, gegen eine schon so sehr unglückliche Nation zu wtithen, wenn solche entsetzliclie Vorurtlieile von dem grössten Genie des aufgeklärtesten Jahrhunderts gut geheissen werden?“' Pinto versuchte auch, die Juden von einer anderen Seite gegen Voltaires Ausfälle zu rechtfertigen, gegen den Tadel ihrer Unwissenheit, ihres Mangels an Kunstfertigkeit und Wissenschaft zu remonstriren. Aber dafür hatte er selbst zu wenig Verständniss und brachte viele Absurd!- täten oder Gemeinplätze vor. Der Prophet Jesaias sei voll von Feuerzügen, welche beweisen, dass Künste, Wissenschaften und Geschmack am Hofe von Jerusalem geherrscht haben! — Es hat jüdische Aerzte und Intendanten unter Arabern und Spaniern gegeben. Maimonides war in alle Wissenschaften seiner Zeit eingeweiht. — Die Juden oder die Phönizier haben das Alphabet erfunden, und dergleichen mehr. Auch seine Rechtfertigung des Verfcilgungskrieges der alten Israeliten gegen die