Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 13)
- Language
- German
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Voltaire und die Juden. 213 von Bordeaux Vorkommen konnte. — ״Die Vorstellung welche die Portugiesen haben, dass sie vom Adel des Stammes Juda ihren Ursprung haben, deren Vorfahren zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft nach Spanien verpflanzt worden seien, erhalte diese Trennung und trage zur Gehobenheit bei, die man an ihnen nicht verkennen könne, und die selbst die anderen Juden ihnen einräumen.“ Diese gewissermassen adlichen Juden, welche sich in Sprache, Kleidung, Haltung und Eleganz vorteilhaft vor den andern auszeichnen, die keinen Bart tragen, haben ihre reinen Sitten bewahrt und auch in den Augen der Christen besondere Beachtung erlangt. Diese verdienten am allerwenigsten die Verunglimpfung, welche Voltaire gehäuft hat Die holländischen Portugiesen haben mit ihren vorwurfsfreien Sitten grosse Reichthümer in dieses Land gebracht und den Handel der Republik vermehrt. Ihre Synagoge nähme sich wie eine Versammlung von Senatoren aus. Wenn deutsche Fürsten da eintreten, suchen sie da Juden und können nicht glauben, dass sie von demselben Schlage sein sollen wie diejenigen, welche sie in Deutschland gesehen. Die portugiesischen Juden seien für Holland viel nützlicher gewesen, als die fr anzösischen Flüchtlinge, welche nach dem Wiederrufe des Edikts von Nantes dahin gekommen waren, weil diese fast mit leeren Händen gekommen waren, während jene grosse Kapitalien und Unternehmungsgeist mitgebracht hatten. Ihre Nachkommen sind weit eher Betrogene als Betrüger, öfter Opfer der Wucherer, aber selten oder nie selbst Wucherer gewesen. Man könne kaum ein Beispiel anführen, dass im Laufe von zwei Jahrhunderten ein portugiesischer Jude in Amsterdam oder Haag wegen eines Verbrechens bestraft worden wäre. Wollte man Tadel an ihnen finden, so würde er auf der entgegengesetzten Seite liegen, als da wo ihn Voltaire gesucht hat, nämlich im übertriebenen Luxus, in Verschwendungssucht, in Eitelkeit, in Passionen für das schöne Geschlecht. Mit einem Worte, ein edler Stolz und eine vornehme Würde machen den Unterscheidungscharakter der portugiesischen Nation aus. — De Pinto führte dann eine Reihe von