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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 6 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 6
Article
Voltaire und die Juden
Date
1868-01-01
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
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212 Voltaire und die Juden. zu erleuchten, die Wolken der Volksvorurtheile, die man auf die Anhänger dieser Religion zur Schande der Menschheit aufhäuft, noch mehr verdichten — gegen Vernunft und Wahrheit? Man soll die Juden nicht verbrennen, schliesst Voltaire; aber ein grosser Theil derjenigen, welche er so grausam behandelt hat, würden lieber verbrannt werden, als die glücklicherweise leeren Anschuldigungen verdienen. Wollte er den Gegenstand genau untersuchen, so würde er finden, dass er den Juden, der Wahrheit, seiner Zeit und besonders der Nachwelt eine Ehrenerklärung schulde.“ Nun rückte de Piirto mit seinem Hauptthema heraus: Voltaire hätte bei seinen Anklagen die portugiesischen und spanischen Juden von den Andern unterscheiden sollen, mit denen sich jene nie verbunden und accompagnirt haben. Dieser Unterschied sei zwar wenig bekannt, aber doch Thatsache, dass eben die Portugiesen ausserordentlich scrupulös sind, sich mit andern Juden durch Heirath oder sonstige Verbindung zu vermischen. Diese Trennung ginge so weit, dass wenn ein portugiesischer Jude in Holland oder England eine deutsche Jüdin heirathen würde, würde er seine Vorrechte verlieren, würde nicht mehr als Glied der Gemeinde anerkannt, würde von allen geistlichen und bürgerlichen Funktionen ausgechlosssen werden und dürfte nicht einmal unter den andern Portugiesen, seinen Brüdern, begraben werden7). So stellte Pinto den Unterschied in geflissentlicher Uebertreibung dar, der vielleicht nur bei der Antipathie der Portugiesen 7) Ebenso übertrieben und unwahr ist, was Gregoire erzählt: une Juive de Berlin ayant ipouse un mtklecin de la nation portugaise (recemment), les parenls de cette filte en porter ent le deuil3 comme iS une personne decede (Essay sur la regeneration des Juifs p. 70). Sein Gewährsmann war Mose Ensheim, Mendelssohn’s Jünger (das. p. 217, Note 14). Dieses Factum scheint sich auf die Ehe des Arztes D1\ de L ein o s mit einer C11 ar 1 vi 11 e aus Berlin, der Eltern der Henriette Herz, zu beziehen. Aber die Herz hat in ihren Erinnerungen nichts davon erwähnt. So tief war die Kluft weder auf der einen, noch auf der anderen Seite.

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