Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Voltaire und die Juden. mit dem literarischen Riesen wagte. Dieser von Marraneu abstammende portugiesische Jude (st. 1787) lebte eine Zeit lang in Bordeaux, begab sich dann mit seinem Vermögen nach Amsterdam, leistete der portugiesischen Gemeinde dieser Stadt und dem Staate Holland wesentliche Dienste und liess sich dann dauernd im Haag nieder. Er war nämlich eben so opferbereitwillig wie vermögend, ln einer Zeit der Geldverlegenheit lieh er dem Staate ansehnliche Summen ״und ein hoher Beamter gab ihm die Anerkennung, dass er den Staat gerettet hat (1748*)". Von bedeutenden Geistesanlagen war de Pinto keineswegs, aber er verstand über gewisse Themata leicht zu schreiben. Er verfasste einige Broschüren über nationalökonomische und politische Fragen, auch gegen den herrsehenden Materialismus der Zeitphilosophie und über das Kartenspiel. Gediegene wissenschaftliche Kenntnisse scheint de Pinto wenig gehabt zu haben; wenigstens verrathen seine Schriften sie nicht2). Mit seinem Zeit- und Religionsgenossen Moses Mendelssohn hält er keinen Vergleich aus. Ohne seine Apologie für die Juden gegen Voltaire wäre sein Name wohl in der Zeitenströmung untergegangen. Diese Apologie rang sich aber nicht aus seinem Herzen los, nicht aus dem bedrückenden Schmerzgefühl über die empörende Verunglimpfung seiner Stammgenossen und des Judenthums von Voltaire1 s Seite, sondern sie verdankte ihre Entstehung seiner warmen Anhänglichkeit an ein eigenes Coteriewesen. *) Schreiben Pinto’s an Rodriguez Pereira (wovon weiter unten): Les Services signales que fai eu le bonheur de rendre ä la nation poriugaise Stabile ä Amsterdam, et dont fespere qu’elle jouira long-temps; m’ engagent ä donner ä nies fr er es des prevves de bonne volonte. י—׳ S. Koenen, Gescliiedenis der Joden in Nederland p. 212ff. Seine Biographie ist dargestellt in: Jaarbooken voor Israeliten 1837, p. 157 ff. 2) Bei Pinto’s Schriften, die in den Bibliographien angeführt werden, ist eine vermisst, welche Koenen citirt,in portugiesischer Sprache: 'Reflexoes politieas tocante a Constitupuo da JWaguo Judayca, Amst. 1748 (das. p. 8). Es ist wohl das erste Produkt von Pinto’s schriftstellerischer Thätigkeit.