Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 6 · p. Seite 203

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 6
Article
Voltaire und die Juden
Date
1868-01-01
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829360-2829367-2863634--11333-2863658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Voltaire und die Juden. 203 Germanen, in dem Grausen des Mittelalters erhalten? Es war nicht von Voltaire’s oberflächlich raisonnirender Geschichtsbetrachtung zu erwarten, dass er die richtige Antwort auf diese Frage geben sollte; aber dass er sie so hämisch gab, das flüsterte ihm die Rache ein: ״Die zähe Meinung dieses Volkes, dass Unfruchtbarkeit eine Schmach sei, hat es conservirt. Die Juden haben stets als zwei grosse Pflichten angesehen, Kinder und Geld zu haben. Es folgt aus diesem engrahmigen Gemälde, dass die Hebräer stets waren: entweder Vagabunden, oder Räuber, oder Sklaven, oder Aufständische. Sie sind noch heute Vagabunden auf Erden und allen Menschen zum Abscheu und behaupten doch, dass Himmel und Erde und alle Menschen für sie allein geschaffen seien.“ Künste und Wissenschaften, auch Poesie, sprach er ihnen in seiner kecken Manier vollends ab. Eine Philosophie hätten sie nie gehabt, sie, welche im buchstäblichen Sinne des Wortes die Lehrer der verdummten europäischen Völker im Mittelalter waren. Nicht einmal den Gedanken der Einheit Gottes mochte ihnen Voltaire unbestritten lassen. Er beschloss diesen erzjudenfeindlichen Artikel mit den Worten: ״Mit einem Worte Sie finden in den Juden nur ein unwissendes und barbarisches Volk, welches seit langer Zeit den schmutzigsten Geiz zum verabscheuungswürdigsten Aberglauben und zum unüberwindlichsten Hasse hinzufügt gegen alle Völker, die sie dulden und sie bereichern. Man soll sie aber doch nicht verbrennen.“ Voltaire übte eine solche Tyrannei über die Geister des achtzehnten Jahrhunderts, dass es als ein Wagestück galt, ihm Opposition zu machen und seine oberflächlich absprechenden Behauptungen zu widerlegen. Alles, was den Menschen heilig war, besudelte er mit seinen unfläthigen Witzen, bezeichnete es als Aberglaube, Pfaffenbetrug, Finsterniss, und Niemand wagte diesen Heiligen- Schänder zu entlarven. Ein Jude unternahm es zu Allererst, ihm seine ungerechten, wegwerfenden Urtheile vorzuhalten, aber nur durch eigenthümliche Umstände, die noch wenig bekannt sind und daher beleuchtet zu werden verdienen. Isaak de Pinfco war es, der diesen Kampf 16"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.