Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Voltaire und die Juden. Dieses ungerechte Verfahren, das dem König durch Voltaire’s Feinde getreu hmfcerbrächt wurde, versetzte ihn so sehr in Zorn, dass er Voltaire den Befehl zu gehen lassen wollte, innerhalb 24 Stunden das preussische Land zu verlassen. Erst allmälig ist er von dieser Strenge abgekommen; aber der betrügerische Dichter durfte nicht nach Potsdam kommen, sondern musste in Ungnade in Berlin bis zum Austrag des Processes bleiben. — Es ist bekannt, dass der junge Lessing damals von Voltaire engagirt wurde, die von jenem für das Gericht ausgearbeiteten Schriftstücke aus dem Französischen in’s Deutsche zu übersetzen. Als armer Literat musste er damals einen Handlanger für V01taire’s Gemeinheiten abgeben. — Unterstützt wurde Voltaire nur noch von Ephraim Veitei, welcher den von ihm abhängigen Goldarbeitern beibrachte, auszusagen, die von Hirschel an Voltaire gelieferten Bijouteriestücke hätten nicht den vollen Werth — eine schlechte Bundesgenossenschaft! Der Process machte damals grosses Aufsehen. Voltaire's Feinde dictirten dem Angeklagten Hirschei ein Expos6 des Processes in französischer Sprache in die Feder, welches geeignet war, ihn mit Schmach zu bedecken. Der Abgott des Publicums wurde seines Flitters entkleidet und in seiner hässlichen Blosse gezeigt. Die Einleitung — Factum als Prolog dienend — verdient gelesen zu werden: ״Billig denkendes Publikum! Ich bin Jude und der ״Mann, gegen den ich plaidire, ist ein Dichter, Arouet de ״Voltaire. Der Gegenstand meines Processes, den ich ״mir erlaube deinem Urtheil zu unterwerfen, wird im ״Stande sein, seinen Gharacter zu enthüllen und dich er- ״kennen zu lassen, wie gefährlich es ist, mit ihm zu thun ״zu haben. Ich werde nicht gleich ihm das Publicum ״durch ein Promemoria zu verführen suchen, das er für ״die Richter mit Lügen und Beweismitteln, den Thatsachen ״entgegengesetzt, ausgefüllt und dem Grosskanzler über- ״geben hat. Ich werde nicht, wie er, an alle Thüren ״pochen, um meine Sache persönlich zu empfehlen. Ich ״kann nicht gleich ihm einem Buchhändler einen schwär- ״zen Anzuge entlehnen, um an den Hof zu gehen und