Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Voltaire und die Juden. 165 Der Brotneid, diese niedrige Leidenschaft, welche die Juden, ehe sich ihnen die Schranken der Gewerbefreiheit öffneten, gegen einander bewaffnete, führte alsbald ein Zerwürfniss zwischen Voltaire und dem jüdischen Juwelier herbei. Ephraim Veitel, zweideutigen Andenkens in der Geschichte, der Finanzmann Friedrich des Grossen? der nicht ohne Wissen des Königs die Ephraimiten prägen Hess, später ein Wohlthäter des redlichen Hartwig Wessely, damals noch nicht bei Hofe accreditirt, beneidete Abraham Hirschei uni dessen Verbindung mit Voltaire, wusste diesem zu insinuireii, dass er durch diesen Agenten keine Steuerscheine erlangen werde, weil er an den Dresdner Hof Diamanten verkaufte, und erbot sich, ohne Profit und ohne Wechsel, nur um die Gunst der Protection für Voltaire Scheine zu besorgen. Voltaire, hocherfreut über dieses Anerbieten, avisirte seinem Banquier in Paris, seine dem jüdischen Agenten übergebenen Wechsel nicht zu respectiren und annullirte den Vertrag, den er abgeschlossen hatte. Hirschei hatte: aber bereits die Wechsel bei einem Banquier discontirt und gerieth durch den Protest gegen dieselben in Misscredit. Voll Unwillen über den Streich, den ihm Voltaire gespielt, kehrte er nach Berlin zurück, machte dem speculirenden und wortbrüchigen Philosophen Vorwürfe und drohte mit Anzeige bei dem König. Diese Drohung wirkte. Voltaire ging auf einen Vergleich ein und kaufte Hirschei einen Theil der Diamanten ab, welche dieser bei ihm verpfändet hatte, mit denen Voltaire — auch nicht sehr gewissenhaft — inzwischen seine Brust geschmückt hatte. Vorsichtig wie er war, hatte Voltaire die Diamanten bei einem beglaubigten Juwelier abschätzen lassen. Er liess sich auch von dem Verkäufer einen Schein ausstellen (19. Dee.), dass er so und so viel taxirte Bijouterie-Stücke von ihm um einen bestimmten Preis gekauft habe. Hatte es Voltaire gereut, dass er dem Agenten für die Steuerscheine einige Entschädigung hatte gewähren müssen, oder, speeulirte er auf einen Gewinn im Geschäft mit einem Juden, dem man im Falle eines Processes wenig Glauben schenken und kaum dessen Eid acceptiren würde? Genug, kurz nach