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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 5 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 5
Article
Voltaire und die Juden
Date
1868-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 Voltaire und die Juden. König, damals noch voll jugendlichen Enthusiasmus, be* wunderte dessen sprudelnden Witz, Leichtigkeit dei* Versification und Anmuth des Styles, und der Hof, sowie die gebildeten Kreise blickten mit einer Art Vergötterung auf den französischen Schriftsteller, dem der Eroberer Schlesiens seine Huldigung darbrachte. Voltaire aber, der sich hinter dem Rücken des Königs über dessen holprige französische Verse lustig machte, gedachte die Huldigung auszubeuten, um politische Intriguen mit den auswärtigen Gesandten gegen Preussen anzuknüpfen und sich zu bereichern. Als Mittel zu seiner raschen Per eicherung wollte er ein sächsisches Papier benutzen, das damals 35 Procent unter Pari stand. Friedrich hatte nämlich im Dresdner Frieden sich ausbedungen, dass dieses Papier, die Steuerscheine, den preussischen Inhabern voll ausgezahlt werden sollte, dagegen hatte er, um die sächsische Kasse vor Defraudation zu schützen, ein Verbot ergehen lassen, dass kein Preussischer Unterthan fernerhin diese Steuerscheine ankaufen dürfte. Auf seine Ausnahme-Stellung vertrauend, hoffte Voltaire das königliehe Verbot übertreten und sich durch Ankauf des Papieres, das ihm pari ausgezahlt werden würde, bereichern zu können. Zu diesem Zwecke liess er den «Juwelier Abraham Hirschei zu sich kommen (Nov. 1750), mit dessen Vater er bereits Geldgeschäfte gemacht hatte, und forderte ihn auf, für ihn Steuerscheine in Dresden zu kaufen, und da dieser Bedenken trug, das königliche Mandat zu übertreten, versicherte er ihm: ״dass er klug genug sei, nichts ohne Einwilligung des Königs zu unter- ־nehmen“, dass er ihm, wenn er seinen Auftrag gut ausführen würde, seinen Schutz zuwenden und ihm vom König einen schmeichelhaftenTitel verschaffen würde. Durch Vollaire’s Ansehen beim König gedeckt, glaubte Hirschel auf dieses Geschäft ohne grosses Wagniss ein gehen zu dürfen. Der philosophischeDefraudateurwarkiug genug, sichDiamanten im Werth von mehr denn 18,000 Thlr. als Sicherheit geben zu lassen, für die Wechsel auf seinen Namen ausgestellt, die er dem Juden zum Einkauf der Steuerscheine übergeben hatte.

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