Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 4)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 155 zu schliessen, das der jerus. Talmud, der wie aus den an geführten Stellen zwischen dem babyl. Talmud und dem Jad erschien, im Jahre 1523 an’s Licht trat; hieraus ergibt sich aber auch die Richtigkeit der Behauptung des Herrn R., der babyl. Talmud sei im Herbst des Jahres 1522 und nicht wie Stein- Schneider meint, im Frühling des Jahres 1523 vollendet worden, da von da ab ein zu kurzer Zeitraum für den in demselben Jahre erschienenen jerus. Talmud verbleiben würde. Diese Bomberg’sche Ausgabe, der zwar noch Manches aber in Betracht des Ganzen nicht Bedeutendes abgeht (es fehlen die Traktate חשלום 'D ד״א 'Dfo אבות דר' נחן) zeichnet sich durch Schönheit des Druckes und des Papieres aus und überragt, wie Herr R. versichert, hierin alle späteren Talmudausgaben. Sie ist der Sonciner (insoweit diese Traktate brachte) nachgedruckt, doch sind hier auch, wie Herr R. mit vielem Fleisse nachweist, andere Manuscripte benutzt worden. (Für die zu Soncino nicht erschienenen Traktate ist dieses selbstverständlich.) Sehr zu bedauern sind die vielen Druckfehler im Ascheri dieser Ausgäbe. — Eine zweite Ausgabe erschien bei Bömberg im Jahre 1528 —1531, die ganz wie die erste, nur reicher an Druckfehlern ist. — Im Jahre 1546 —1551 erschien bei Marco Antonio Giustiniani, Venedig, eine vollständige Ausgabe des Talmud (mit אבות דר׳ נתן וכוס׳ ד״א), die כוסורת התלכוור ועין כושפט ונר נוצות ונוראה מקום כוהססוקים נוהרב ר׳ יהושע בעז מברוך בעל שלטי הגבורים על חרי״ף brachte. Nach der Seitenzahl dieser Ausgabe sind alle späteren Ausgaben gedruckt und ist sie gewissermassen als die editio princeps zu betrachten. Auch Bömberg benutzte in der von ihm im Jahre 1548 veranstalteten dritten Ausgabe die Ginstinianische. Aber es war wieder über den Talmud der Feuertod verhängt. Drei getaufte Juden, unter ihnen ein Enkel des Grammatikerks Elias Levita, denuncirten beim Papst Julius III. den Talmud als christenfeindlich und blasphemirend, und so wurden auf dessen Befehl im Jahre 1553 viele Tausende Taimudexemplare in Rom, Venedig und anderen italienischen Städten verbrannt. In der Geschichte des Talmud vergegenwärtigt sich die Geschichte der Juden! — Doch wie die Juden trotz der blutigsten Verfolgungen und errichteten Scheiterhaufen nicht vernichtet werden konnten und hier ausgestossen anderwärts