Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 3 · p. Seite 111

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 3
Article
Das Grab der biblischen Esther in Hamadan
Date
1868-01-01
Page
Seite 111 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829360-2829364-2863418--11185-2863465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Analekten. 111 einigen Wochen nun hatte ich Gelegenheit, dieses Grab zu besuchen, und es dürfte den Leser interessiren, zu erfahren, in welchem Zustand ich es fand. Dass Hamadan eine Stadt des höchsten Alterthums ist, zeigt der erste Blick. Die alten Baumgänge, die sich von der Stadt aus nach allen Richtungen hin erstrecken, weisen auf das Vorhandensein einer gewissen Menge Wasser, das in der dürren Ebene nur im Laufe vieler Jahrhunderte gesammelt werden konnte. In den Erdhügeln, die man innerhalb der weiten Reihe der Stadtmauern findet, entdeckt man von Zeit zu Zeit Gold- und Silbermünzen mit der Inschrift Alexanders und der Könige, die man als die Vorgänger des macedonischen Eroberers kennt; Tafeln, die in den malerischen Thälern des Berges Elokud an den Seiten der Felsen eingehauen sind, enthalten Inschriften in der Schrift der altpersischen Sprache, und endlich gibt es Hunderte von Juden daselbst, deren genealogische Tafeln beweisen, dass sie von Juden abstammen, die seit vielen Generationen in Hamadan lebten. Einer dieser ehrwürdigen Abkömmlinge Israels geleitete mich an den Ort, welcher der Gegenstand der Wallfahrt so Vieler seines Volkes ist. ln der Mitte eines offenen Raumes innerhalb der Mauern Iiamadans steht ein aus Back- und lebendigen Steinen aufgeführter, gewölbter Bau, in welchen ein schmaler Thürgang mit einer solid steinernen Treppe führt, die sich auf zwei Angeln bewegt. Der Wächter des Platzes öffnete diese feste Schutzwehr und führte uns in einen kleinen äussern Gang, welcher, da er rh eil weise unter dem Boden ist, dumpf und dunkel war; allein wir hielten uns nicht lange daselbst auf, sondern traten schnell in die innere Capelle, wo zwei Sarkophage stehen, welche die der Esther und Mardocliai’s sind. Die Capelle ist klein und hat nur so viel Raum, dass man zwischen den Gräbern hindurch und um dieselben herum gehen und dass eine Versammlung von 20 - 30 Personen darin Platz finden kann, um, wie es von Zeit zu Zeit geschieht, am Schrein der hebräisehen Fürstin zu beten, durch welche ihrem Volke die grosse Wohlthat der Befreiung aus der Gefangenschaft (?) zu Th eil geworden. Die Gräber selbst sind aus geschnitztem Gold — Wallnussholz, wie ich glaube — und man sagte mir, dass sie die Asche der Todten, zu deren Andenken sie errichtet worden, nicht enthielten, sondern dass die Heiligen, deren Namen sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.