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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 3 · p. Seite 112

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 3
Article
Das Grab der biblischen Esther in Hamadan
Date
1868-01-01
Page
Seite 112 (sequence 3)
Language
German
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112 Analekten. tragen, vermuthlich unter denselben ruhen. Es liegt nichts Unwahrscheinliches in der Thatsache, dass die Königin Esther getrennt von ihrem Gemahl begraben worden, denn noch heutigen Tages werden die Frauen der Könige von Persien nicht in den Capellen begraben, welche der Aufbewahrung der Asche der Schahs geweiht sind und der Leichnam der Nachfolgerin Waschti’s dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach bei ihrem Tode den Iländen ihres Volkes übergeben und im Grabe des Hebräers Mardochai beigesetzt worden sein. Die beiden Gräber sind mit Inschriften in hebräischer Sprache und die Wände der Capelle mit den Namen' der Pilger bedeckt, die von fern und nah gekommen, um ihre Andacht an dem Grabe der hebräischen Königin zu verrichten. Ich verliess die Capelle mit dem Eindrücke, dass ich nie etwas gesehen, was in so hohem Grade die Idee düstersten Alterthums in mir erweckte. Das persönliche Interesse, welches sich an den Platz knüpft, hat mehr Reiz als die grossen aber unbestimmten Erinnerungen, die in der Seele auftauchen bei dem Gedanken, dass man auf den Ruinen von Babylon oder inmitten der sculpturirten Paläste von Ninive steht. Mein Führer wurde, als er sah, welches Interesse der Platz mir einflösste, endlich mittheilsamer, als er anfangs hatte sein wollen. Er sagte: noch innerhalb Menschengedenkens sei hier ein Galgen gestanden, der auf Befehl der weltlichen Behörden von Hainadan entfernt, worden, und die örtliche wie die jüdische Heberlieferung behaupte, dass dieser Galgen der nämliche gewesen, an dem der unglückliche Ilaman den Tod erlitten, welchen er dem Juden zugedacht, der sich vor dem Feinde des verbannten jüdischen Volkes nicht dernüthigen wollte. Dergleichen Ueberlieferungen dürften vergleichenden Geographen zur Rechtfertigung dienen, wenn sie Hamadan die Ehre zu Theil werden lassen, die Lage zu sein, auf welcher der Susan-Palast gestanden.

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