Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Commentarien des Ephraem Syrus im Verhältnis zur jüdischen Exegese
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 5)
- Language
- German
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68 Die Commentarien des Ephraem Syrus im Verhältniss Hatte die Hagada einmal das Gebiet der freien Auslegung betreten, indem sie Zeitanschauungen an das biblische Wort anlehnte, so machte sich auch der noch lebendige Sprachgenius in der Weise geltend, dass die biblische Sprache als eine lebende behandelt und aus dem späteren Sprachgebrauche erklärt wurde, dass also der Unterschied zwischen dem Althebräischen und Talmudischen nicht genau festgehalten und sprachliche Erscheinungen dieses letzteren Idioms auf das erstere übertragen wurden1). In der Sprache der nachbiblischen Zeit nahm man z. B. Gen. 2, 8 nach Analogie von מקודם לק und ähnlichen Ausdrücken in der Bedeutung ״früher", und daher übersetzte es Onkelos durch מלקדמין> die Pesch, durch )040;p, während die LXX es durch yuxvä uvcctolccg wiedergibt (Aq. u7to dq%T]g). Durch jene Auffassung entstand aber natürlich die Frage: soll dieses ״früher" bedeuten vor Erschaffung der Welt, oder vor der Schöpfung des Menschen? Für das erstere entscheidet sich eine Hagada, die auch Hieronymus erwähnt (1. 1. 132 F), eine andere berichtigt dieselbe dahin, dass die Schöpfung des Paradieses erst am dritten Tage stattgefunden habe (v. Gen. R. c. 15: מקרם אמר רבי שמואל בר נחמן את סבור קורם לבריתו של עולם ואינו אלא קודם לארם הראשון * אדם נברא בששי גן ערן בשלישי), wie auch Ephr. annimmt (16 A, cf. 22 D: )יצסססג 'fci )040;p;»Jjo Jooj J&JLj) und aus der biblischen Angabe, nach welcher am dritten Tage Bäume und Pflanzen geschaffen wurden (Gen. 1, 11 sq.) mit einiger Wahrscheinlichkeit gefolgert werden kann. Lässt ein Wort zwei Bedeutungen zu, so wählt die Hagada vorzugsweise diejenige, an welche sich eine allgemeine Sentenz י) Der Grund dieser Eigenthümliclikeit der Hagada ist eben in dem Bestreben zu suchen, die traditionelle Bibelerklärung durch die jedesmaligen Zeitanschauungen, durch gleichklingende verwandte oder auch aus fremden Sprachen hergeholte Wörter zu begründen (vgl. Zunz 1.1. 327). Daher begegnet man so häufig der Uebertragung der späteren Bedeutung eines Wortes auf den bibl. Gebrauch, was dieser exegetischen Richtung auch am nächsten lag. Vgl. z. B. Gen. R. c. 68 zu Gen. 28, 11: מפני מה מכנין שמו של ה״קב״ה וקוראץ אוחו מקום שהוא מקומו של עולם וכו', demnach wird דפנע במקום erklärt er betete zu Gott, cf. Berachoth 26 a und Chullin 91 b.