Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emanuel Osmund und Jean Paul
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 16)
- Language
- German
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56 Emanuel Osmund und Jean Paul. Um diesen Brief hat sich der schwärmerische Freund mit seinen überschwenglichen Liebesversicherungen so lange bitten lassen! Mit welch seltener Liebe hing Ernanuelihm und jedem Einzelnen seiner Freunde an! ״Wenn er den Himmel gekauft hätte, so schenkte er ihn seinen Freunden, und böte sich nur aus, als Miethsmann darin zu wohnen“1). So oft Jean Paul nach Bayreuth kam, bot ihm Emanuel nicht allein ״Bett, Tisch, Stuhl und Lampe wie ein guter Jude lächelnd und freundlich an“2), der gastfreie Freund hatte in seinem ״kleinen“ Hause ein besonderes Jean-Paul-Stübchen, auch wohl das blaue Stübchen genannt, mit einem in's Kleinste gehenden Ameublement hergerichtet, ״nicht einmal Bindfaden, Barometer, Himmelblau (an der Wand), Blumentopf, Lichtscheere, Klavier, Obst, Bücher und gar nichts hat mein geliebter Emanuel vergessen“, berichtet Jean Paul an Renate, ״und hätte er Mond und Sterne gehabt, er hätte sie mit an die Decke geklebt“3)- Unverdrossen und mit unermüdlicher Hingebung besorgte er für den an Bedürfnissen reichen Freund die verschiedenartigsten Dinge; er versah ihn mit Kleidern, Federn, Papier, miethete für ihn Wohnungen, Kutscher und Aufwärter, wurde sein Rathgeber und Agent in allen Geldangelegenheiten und jahrelang der Spediteur der beträchtlichen Sendungen von Bayreuther Bier nach Meiningen und Coburg, ohne das Jean Paul bekanntlich nicht leben konnte. Aus Freundschaft für ihn nahm Emanuel den jungen Herder in schwieriger Lage mehrere Monate bei sich auf, eine Gefälligkeit, über die der zartlieh besorgte Vater hoch erfreut war und ihn veranlasste, seinen Dank dem ihm persönlich bekannten und von ihm geschätzten Juden in herzlichster Weise auszusprechen (Weimar, 26. August 1799): ״Den herzlichsten Dank Ihnen, edelgesinnter Mann, für die so liebevolle Aufnahme meines Sohnes; Dank, wie er sich in Worten schwerlich ausdrücken lässt von נ) Jean Paul’s Briefe an eine Jugendfreundin, 87. 2) Denkwürdigkeiten, I, 98. 3) Jean Paul’s Briefe an eine Jugendfreundin, 90.