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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 2 · p. Seite 55

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 2
Article
Emanuel Osmund und Jean Paul
Date
1868-01-01
Page
Seite 55 (sequence 15)
Language
German
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Emanuel'Osmund‘ und Jean Paul. 55 entfernt, liebenswürdiges Paar, worin ich mit Ihnen sprechen wollte. Gerade der entdeckte Unterschied unserer Religion, wenn er noch einer ist, gab mir eine Freude mehr und eine noch grössere Achtung für Sie, weil Sie mehr Vorurtheile zu besiegen haben, um uns, als wir, um Sie kennen und lesen und lieben zu lernen. Der Verstand Ihrer Nation wird einen immer reineren und hohen Weg nehmen; aber wie sich das Herz desselben wärmer und heiliger bilde, ist schwer zu prophezeien, da zu dieser Bildung immer eine äussere Form — die der Regierung, der Religion etc. — gehört. Die jetzige ist die ungünstigste, die des kleinen Handels. Unser ganzes Jahrhundert, zumal in England, trinkt aus dem rnerkantilischen Giftbecher; was aber Ihr Volk am tiefsten zerrüttet hat, war die Nothwendigkeit weniger des Handels, als des kleinen, und die eines gegen Feinde. Ich habe einen Freund unter ihrer Nation, Emanuel in Bayreuth, mit dem ich wenige Freunde aus der meinigen vergleichen kann, moralisch vollendet, stark und weich, thätig und denkend, unerschütterlich und tolerant, für die Erde und den Himmel gemacht. Seine Liebe für sein Volk hatte, da er Ihren lieben Brief sah, viel Antheil an der zweiten Antwort darauf. Leben Sie getröstet vor dem dunkeln Anblick der Zeit, und stellen Sie sich vor, um es zu werden, dass das Jahrhundert nur eine Stunde in der Erdenzukunft macht; und dann wird sie eine flüchtige Wolke, die über die Erde wegweht, weniger irren. Antworten Sie mir wieder und lieben Sie einander unverändert fort, dann brauchen Sie keinen Wunsch im neuen Jahrhundert!" J. P. Fr. Richter1). *) Dieser Brief wurde von Jolowicz aus einer Autographen־ Sammlung in der Ztg. des Judenths. 1863, S. 711 zum ersten Male veröffentlicht, ohne aber auf seine Entstehungsgeschichte weitere Rücksicht zu nehmen.

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