Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emanuel Osmund und Jean Paul
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Emanuel Osmund und Jean Paul. unsere beklommene Seele keine Zunge und keine Farbe für ihre Bilder hat, so verschmähe Niemand die Farbe, die sie im Drange der Empfindung ergreift. 0, der arme Mensch kann, wenn er auch den ganzen Tag darüber philosophirt hat, dieser kann, wenn er draussen vor der untersinkenden Sonne steht, die mild und gross zur andem Halbkugel hinunterzieht und die der unsrigen an den Blüthen und Bergen die Gesundheitsröthe eines sanft erwärmten Tages liachlässet, und wenn er als ein Wunder unter Wundern steht, als ein Glücklicher unter Glücklichen, als ein einiger Geist unter den einigen Körpern um ihn her, dieser Mensch kann Abends, wenn er endlich in den Himmel, aus dem die Sonne gesunken ist, auf blickt zum grossen glimmenden Blau, in dem entflogene Funken des Thrones eines Ewigen schillern, dieser muss, von der Allgewalt der Schöpfung niedergedrückt, auf die schwachen Menschenknie stürzen und beten: ״Du Unendlicher, dein Geschöpf sinket zusammen, wenn Du erscheinest, ach ich werfe gerne dieses Angesicht aus Erde, dieses Herz aus Erde auf Deine Erde nieder, denn ich will Dir nicht danken, sondern nur zertrümmert und brennend und verstummend reden“. — 0! jedes Zeichen der Andacht ist ehrwürdig, unter jeden! Volk — wir haben alle dasselbe Herz und denselben Gott, und unsere kleinen Verschiedenheiten sind gewisslich diesem ewigen Geiste nur — Ähnlichkeiten. Ich habe mich in Flammen geschrieben über Dinge, wo ich statt Zeilen Bogen brauchte, wie über mehrere Dinge Ihres lieblichen Briefes. Leben Sie wohl, liebe Seele!“1). Auf diesem Wege konnte und wollte Emanuel dem Freunde nicht folgen, ohne die Ruhe seines Gemüthes zu verlieren; er mied es für die Folge, in seinen Briefen religiöse Themata zu berühren und tischte ihm auch nichts mehr aus dem Talmud auf. Erst nach anderthalb Jahren (24. November 1796) gab er ihm wieder einige Legenden נ) Denkwürdigkeiten I, 14 ff.