Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emanuel Osmund und Jean Paul
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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Eraanuel Osmund und Jean Paul. Geschichte 5 dem Leben und den Schriften des Volkes selber ist sein Spiritus rector, sein Lebensgeist rein abzudunsten und zu kohibiren. Allerdings haben Sie Recht, dass der Talmudist sich in den äussersten Grenzen seiner Bestimmungen gefalle; auch darin haben Sie Recht, womit Sie ihn rechtfertigen, dass einer nämlich, der über ein kleines Gesetz wegschreitet, endlich auch das grosse überspringe. Aberdamit ist der Talmudist wenig gerettet. Zwar wird man tugendhaft auf einmal, d. h. durch einen plötzlichen Entschluss, durch die sogenannte Bekehrung, die aber noch keine Tugendfertigkeit ist, und lasterhaft wird man allmählich, jeden Tag setzet eine trübe Welle neuen Schlamm ab, und ich sage in meinen Hundsposttagen: Die Tugend zieht nur durch Portale in uns ein, aber der Teufel durch’s Fenster und durch Sphinkter und alle Poren. Allein ich behaupte, der Talmud entkräftet durch Ceremonien die Tugend. Man kann nach dem Münzfuss aller Ceremonien leben, ohne eine einzige Neigung — was gerade schwer ist — unter den Prägsack der Moral zu bringen. Es ist dem eiteln Menschen leichter, die Lumpen der Mönche anzulegen als ein simples Kleid. Man sollte denken, wenn man lieset, dass so viele Braminen fünfzig Jahre lang in die Sonne oder auf die Nase sehen, auf einem Beine stehen, Schlaf entrathen und die höchsten Martern an sich fortsetzen, oder dass so viele unserer Mönche und Heiligen sich todt geissein, todt beten, todt hungern — man sollte denken, sag’ ich, solche Aufopferungen müssten die kleinern, die die Tugend fordert, voraussetzen, und es musste ebenso viele Tugendhafte, als Heilige und Märtyrer geben . . . Und es ist doch nicht so. Die Ursache ist: alle jene Büssungen, jene Ceremonien vertragen sich leicht mit der grössten Wildniss des Herzens, und es ist viel leichter, die ganze Thora des Talmuds als ein einziges Reglement aus der Thora des Gewissens zu befolgen. Dazu macht der talmudische Sachsenspiegel den Menschen kleinlich und eng: die edle Seele steigt über religiöse Ceremonien so gut als über bürgerliche und dringt in den reinen grossen