Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / u.
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829359--10987-2863331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
470 Recensionen und Anzeigen. führung, welche dort dem Gedanken verliehen wird, zu dem Besten gehört, was uns im vorliegenden Buche geboten wird. Wenden wir uns nun zu dem sonstigen Inhalt unseres B11ches, 80 ist vor Allem zu bemerken, dass der Verfasser die Geschichte der Juden im Fürstenthum Anspach in drei Abschnitten behandelt, von denen der erste die Zeit der Rechtlosigkeit bis zum Jahre 1609 bespricht; diesem folgt im zweiten Abschnitte eine Darstellung der Anspachischen Verhältnisse in Bezug auf die Juden in den Jahren von 1609 —1792, welchen Zeitraum der Verfasser die Periode der Sonderstellung nennt, während mit dem Jahre 1792 die Zeit der Gleichstellung heranbricht, welche im dritten Abschnitte abgehandelt wird. Der Verfasser vermutet, dass schon im dreizehnten Jahrhundert sich Juden in Anspach niedergelassen haben, da beglaubigten Nachrichten zufolge in einein grossen Theile der umliegenden Ortschaften zu jener Zeit Juden ansässig waren. Allein erst im dritten Decennium finden wir die ersten urkundlichen Belege, welche mit einiger Sicherheit auf Juden, die ihren Wohnsitz in Anspach genommen haben, schliessen lassen. Die ersten Judenschutzbriefe hingegen sind uns aus der Regierungszeit des Burggrafen Friedrich V. (1357 — 97) aufbehalten. Die Quellen jedoch für die Geschichte der Juden in Anspach fliessen bis gegen das Ende des sechszehnten Jahrhunderts in äusserst spärlicher Weise. Der Verfasser sucht sich daher in der Weise zu helfen, dass er, um diese bedeutende Lücke wenigstens theilweise auszufüllen, das Verfahren der hohenzollerschen Burggrafen und Churfürsten gegen die Juden im Allgemeinen schildert, da doch wohl vorauszusetzen ist, dass in demselben Geiste auch die Anspachischen Juden werden behandelt worden sein. Im Ganzen und Grossen scheinen nun die hohenzollerschen Fürsten die Juden milder und schonender behandelt zu haben, als dies meist anderswo der Fall war. Allein es sind die Motive zu dieser Handlungsweise nicht etwa in der liberalen und menschenfreundlichen Gesinnung der damaligen Burggrafen zu suchen, sondern dieselben wollten sich nicht die Vortheile entgehen lassen, welche ihnen die Judensteuer und der Credit, welchen ihnen die Juden zu gewähren im Stande waren und dessen sie oft sehr dringend bedurften, verschafften. Wo es, wie unter Georg Friedrich zu Gewalttaten und Austreibungen der Juden kgm, waren es