Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen und Anzeigen. 395 terschied machten und die Stadt Köln im Grossen und Ganzen in diesen Wirren intact blieb, so ist nicht abzusehen, warum die Juden hätten aus wandern sollen. Noch weniger aber ist zu bezweifeln, dass unter den fränkischen Königen eine jüdische Gemeinde in Köln existirt hat; die Juden vermittelten fast allein den Geldverkehr und waren demnach für eine grosse Stadt fast unentbehrlich. ,,Beim Entstehen der Städte", sagt Neumann in seiner Geschichte des Wuchers, ״repräsentirten die Juden einen unentbehrlichen Eckstein ihrer Gründung‘4 und wenn diese Ansicht in ihrer ganzen Ausdehnung auch nicht unbedingt richtig ist, so gilt sie jedenfalls vollständig von den grossen Knotenpunkten des geschäftlichen Verkehrs. Nehmen wir noch hinzu, dass wir weit im Osten, in Magdeburg und Merseburg, schon im zehnten Jahrhundert Juden antreffen, so hat es wenig für sich׳ dass nicht schon in viel früherer Zeit eine jüdische Niederlassung in Köln, dem reichen Bischofssitze und Handelsplatz, bestanden haben sollte. Um das Jahr 1000 ertheilte Erzbischof Heriber den Juden die Erlaubniss, eine Synagoge, eine sogenannte ,,Judenschul", zu erbauen. Von diesem Zeitpunkt an steht uns eine Reihe von Urkunden zu Gebote, welche uns über die Verhältnisse der Kölner Juden vielfachen Aufschluss gewähren; sie besassen dort glänzende Privilegien, was nach Dr. Gr ätz Vermuthung in dem hohen Alter der Gemeinde, die schon zu einer Zeit geblüht hat, da noch kein juridischer Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht wurde, seine Erklärung findet. So wenig waren sie in der Selbstverwaltung ihrer Angelegenheiten beschränkt, dass bis in's 14. Jahrhundert sogar der Clerus gegen die Juden nur vor dem Judenbischof klagbar werden konnte. Indess machen wir auch in Köln die Erfahrung, dass die schönsten Privilegien nicht vor den rohesten Verfolgungen schützen. Und zwar wächst die Verfolgungssucht, jemehr die Bürger inne werden, dass die Juden ihnen Concurrenz machen. In der Verfolgung des ersten Kreuzzuges, für deren Darstellung Wey den übrigens die von Graetz gewonnenen Ergebnisse vollständig acceptirt, leisten die Bürger den Juden noch energischen Schutz gegen die Wuth des Pöbels. Im Jahre 1349 zur Zeit des schwarzen Todes ist zwar die Bürgerschaft noch bemüht, die Juden zu schirmen; aber die Tlieilnahme ist — dafür zeugt das Gebaliren der Stadt in den darauf folgenden Jahren — sichtlich