Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der reiche Michel und der reiche Moses
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
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Analekten. 389 Ueber den reichen Moses, welcher zu Anfänge des sechszehnten Jahrhunderts in Regensburg lebte und zu der dort so hervorragenden Familie der Wölfe gehörte, würden wir besser unterrichtet sein, wenn der Tractat, den der Renegat Antonius Margaritha über diese Familie geschrieben, veröffentlicht worden wäre, was aber, wie schon Wolf bibl. hebr. I. p. 204 vermuthet, niemals geschehen ist. Wir sind daher in Betreff dieses Mannes vorläufig auf die wenigen Nachrichten beschränkt, welche derselbe Margaritha in seinem Buche: ״Der ganze jüdische Glaube“ (ed. Leipzig 1705 8. 136ff.) über ihn mittheilt. Wir erfahren daraus, dass der reiche Moses der vornehmste Mann einer der innerhalb der jüdischen Gemeinde in Regensburg sich befehdenden Parteien war, und zwar der Partei der sogenannten Wölfe, welche, obwohl sie erst seit kurzer Zeit in Regensburg ansässig war, dennoch, nachdem sie durch vieles Geld das dort sehr schwer zu erlangende Bürgerrecht gewonnen hatte, die wichtigsten Gemeindeämter zu bekleiden beanspruchte, wodurch sie den Hass der Gegenpartei auf sich lud. Aus Rache gegen seine Feinde scheute sich Moses nicht, diese bei dem damaligen Hauptmann zu Regensburg, Namens Rohrbeck, anzugeben und ihminitzutheilen, dass, als er vor Kurzem durch die Judengasse geritten sei, mehrere aus den von früherher in der Stadt wohnenden, den sogenannten altgesessenen Juden ihn einen Haman genannt und gerufen hätten: Da reitet der Haman, womit sie hätten sagen wollen, dass es ihm ebenso ergehen würde, wie es dem Haman ergangen, welcher aufgehängt worden sei. Der Hauptmann möchte jene Juden nur vorfordern lassen und falls sie es nicht bekennen sollten, wollte Moses ihm mit 1000 Gld. verfallen sein. Hierauf habe der Hauptmann drei Juden Jeidlin, lieberlin und Elkana gefangen nehmen und eidlich befragen lassen, worauf sich der dortige •Rabbiner Margaritha., der über Moses habe den Bann verhängen wollen, nebst anderen Juden in die Angelegenheit gemischt und sich bei dem Hauptmann der Gefangenen angenommen hätten, welcher letztere jedoch, hierüber erfreut, alle drei Parteien, nämlich die, welche zu Gunsten der Gefangenen intervenirt hatten, wie auch die Gefangenen selbst und den Verräther, den reichen Moses, um mehr als 3000 Gld. gestraft, welche Strafe aber den letzteren als den reichsten am meisten getroffen hätte. Indessen sei dieser dadurch doch