Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der reiche Michel und der reiche Moses
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 2)
- Language
- German
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388 Analekten. ״Vom Michel Juden todt“ geschieht dieses reichen Juden auch noch anderwärts Erwähnung, wie z. B. bei Schudt (Jüdische Merkwürdigkeiten Th. IV, Contin. II. 8. 1995.), Boysen (hist. Magazin V, 45), König (Annalen der Juden in der Mark Br andenburg) und v. Langenn (Moritz, Herzog von Sachsen, II, 364). Wir erfahren aus diesen Mittheilungen, dass Michel, den man für einen unechten Grafen von Regenstein gehalten habe und der in Frankfurt a. 0. ein staatliches Haus gehabt und viele Reisige und Diener gehalten, auch am Brandenburgischen Hofe in grossem Ansehen gestanden habe, im Jahre 1549 von mehreren Magdeburger Reitern in der Chur Brandenburg gefangen genommen und wegen einer Handschrift, die er nicht habe herausgeben wollen, in Sachsen unweit von Torgau festgehalten worden, den Reitern jedoch entkommen sei, worauf diese, auf gesch ebene Anzeige Michels, überfallen und nach Torgau abgeführt und spater auf Ansuchen Joachims II., Churfürsten von Brandenburg, weil sie gegen den kaiserlichen Landfrieden^gehandelt und in seinem Lande geraubt hätten, zum Tode vcrurtheilt worden seien. Joachim habe zwar, als er von dem plötzlichen, durch einen Sturz von einer Treppe veranlassten Tod Michels Kunde erhalten hatte, eilends einen Reiter nach Torgau entsandt, damit an den Gefangenen die Execution nicht vollzogen würde, allein bevor der Reiter angekommen war, wären die Gefangenen, unter ihnen ein Adliger, Wenzel von Beuden, bereits gerichtet gewesen. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir unsern Michel für identisch halten mit dem reichen Michel, welcher zu den ersten Juden gehörte, die sich nach der Vertreibung der Juden aus Nürnberg in Fürth niederliessen, für welchen daselbst im Jahre 1538 hinter dem Brandenburgischen Geleitshause ein neues Gebäude errichtet wurde und der schon die Gunst des Markgrafen Georg besass, so dass die Beschwerde, welche der Rath zu Nürnberg gegen die Niederlassung Michels bei dem Bischof Weigand zu Bamberg wie bei der Regierung zu Onolzbach erhob, erfolglos blieb. Michel hatte in Fürth nebst zwei Handelsgenossen ein Geschäft etablirt und musste ein Jeder der letzteren 100 Thlr., er selbst aber 400 Gld. jährlich dem Domprobste als Schutzgeld bezahlen. Vgl. Würfels historische Nachricht von der Judengemeinde in der Hofmarkt, Fürth 8. 3 und 22 und Beilagen Litt. B. und 0.