Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 13)
- Language
- German
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der Juden in Serbien. 373 nirte unsere Handelshäuser, wir sahen die Zahl der Armen ' von Tag zu Tage sich mehren und das Elend in alle Familien einziehen. Mehr als einmal haben wir uns an die serbische Regierung, wie an die hohe Pforte mit der Bitte gewandt, uns die Rechte wiederzugeben, die man uns eingeräumt hatte, als wir Unterthanen der serbischen Regierung wurden, und in deren Genuss wir länger als zwanzig Jahre geblieben waren. Aber all unsere Reclamationen waren fruchtlos, wir mussten über sechzehn Jahre, nämlich bis die Dynastie der Obrenowitz wieder zur Herrschaft gelangte, die Sclaverei und gewaltsame Beraubungen geduldig ertragen. Als der ebenso gerechte wie charakterfeste greise Fürst Milosch die Zügel der Herrschaft, die er mit eigenen Händen gegründet hatte, wieder ergriff, beeilte er sich, von unseren Leiden gerührt, die Gesetze, welche die Israeliten bedrückten, aufzuheben und ein Decret zu erlassen, das uns alle Rechte verlieh, welche die Serben besassen-, zugleich gab er die feierliche Erklärung ab, dass er der Vater aller seiner Unterthanen sei und beschlossen habe, keinen Unterschied zwischen den Bewohnern seines Landes wegen ihrer religiösen oder nationalen Verschiedenheit zu machen. Mehrere jüdische Familien Messen sich in Folge dieses Actes der Gerechtigkeit im Innern des Landes nieder. Doch kaum hatten sie begönnen wieder aufzuathmen und sich aus der bedauerliehen Lage zu befreien, in der sie so viele Jahre geseufzt hatten, als eine neue Verfolgung uns plötzlich alle Hoffnung raubte, uns in diesem Lande zu behaupten. Die Krämer und Kaufleute in den Dörfern, die seit sechzehn Jahren keine Juden in ihrer Mitte gesehen hatten, intriguirten lebhaft gegen das Decret des Fürsten Milosch. Solange dieser grosse Fürst lebte, blieben zwar ihre Anstrengungen erfolglos, aber mit erneuter Heftigkeit agitirten sie gegen die Juden nach dem Heimgange des Fürsten, und jetzt gelang es ihnen auch bald, bei der National- Versammlung ein Gesetz durchzubringen, das den Israeliten aufgab, das Innere des Landes zu verlassen und sich im Bereiche der Festungswerke von Belgrad anzusiedeln.