Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829356-2863084--10821-2863133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recensionen und Anzeigen. 351 Emendation gedacht hat, und wie er durch sie den Sinn bessern will, vermögen wir beim besten Willen nicht zu ergründen. Sollte hier eine Emendation nöthig sein, so wäre die einzig richtige וכדפירש בעלמא, und es bezöge sich dies auf Tosafot in Sab. 115, wo ähnliches, wie hier, gesagt wird, Doch hier waltet ein arges Missverständniss ob. Sehen wir uns die Sache etwas genauer an. Nach der gegebenen Erklärung der Tosafot wird im Talmud der Targum deshalb dem R. Joseph so oft in den Mund gelegt, weil er blind war und deshalb das Schriftliehe Gesetz nicht lesen konnte, sondern hersagen, was aber nicht gestattet ist, deshalb recitirte er den Targum, und auf Grund des 'עת לעשלת לח durfte er dies. Danach also muss erst der Grundsatz עת לעשות לה׳ hinzukommen, um das Recitiren des Targum zu gestatten. Nun wird aber im Midrasch oft und im Jerus. Megila III der Targum auf eine Stufe mit דברי□ שבעל פה gestellt, den man nicht lesen darf, aber nirgends unseres Wissens umgekehrt. In Tosaf. Sab. 115 a, freilich bemerkt הרב פור״ת, dass die Targumim, weil sie לא ניתנו ליכתב sind, auch nicht gelesen werden dürfen. משום דדברים שבכתב אסור לאומרן בע״פ. Dem widerspricht aber Tosafot mit den Worten: וקשה דאין זה אי אתה רשאי לאומרו בעל פה כיון שאין אומרו בלשון הקודש באותו לשון כשהן כתובין ר הא שרי לטיטר בע״פ תרגכם כדמתרגם ר' יוסף. Es müsste also Tosafot in B. K. dasjenige urgiren, was er hier zurückweist. Aber auch zugegeben, dass der Targum auf einer Stufe mit דברים שבכתב stehe, wozu nahm dann aber R. Joseph erst zum Targum Zuflucht,, warum blieb er nicht bei den eigentlichen דברים שבכתב, die ihm doch der Grundsatz עת לעשות herzusagen gestattet? Doch es bedarf gar nicht der indirecten Beweise gegen jene Erklärung der erwähnten Tosafotstelle, der einfache Wortsinn derselben spricht zu deutlich für das Irrthü in liehe jener Auffassung, und wir können unser gerechtes Befremden nicht zurückhalten, dass sowohl Meor Enajim, als auch die ihm Folgenden, gerade das Gegentheil dessen sagen, was Tosafot wirklieh meint. Der ganze oben citirte Wortlaut von Tosafot lässt keine andere Erklärung als folgende zu: ״Es wird R. Joseph angeführt, weil er im Targum wohl