Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Don Balthasar Isaak Orobio de Castro
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. 329 rnenheit, alle zeitlichen Güter völlig zu verachten, den Geist nur zum Himmlischen zu erheben, auf Erden keine Schätze anzulegen, sondern nur im Himmel, wo sie von Verderbniss frei sind; nicht für den nächsten Tag zu sorgen, belehrt von den Sperlingen und den Lilien des Feldes, denen Gott Alles, ihnen unbewusst, spendet; ein Jeder verkaufe seine Güter, nehme sein Kreuz und folge seinem Meister, wie es die Apostel mit den ersten Christen befohlen und geübt. Sie verkauften Alles, was sie hatten, und legten den Preis zu den Füssen der Obern. Die Feinde zu lieben, nicht auf Rache sinnen, Hass nicht bewahren, dem Schläger auf die eine Wange die andere hinreichen, niemals schwören, wegen meines eines eigenen Rockes mit dem Räuber nicht rechten, sondern ihm noch dazu den Rest meines Kleides geben." ״Aber", fährt Orobio fort, ״wenn ich sähe, dass sämmtliche Christen Capuziner geworden wären, würde ich gern diese evangelische Vollkommenheit anerkennen in Verachtung der ganzen Welt und des Irdischen. Aber weder in der Lebenshaltung, noch in den Herzensaffekten, noch im Trachten nach dem Himmlichen sehe ich die Christen sich einer grösseren Geistigkeit befleissen, als die anderen Menschen, obwohl sie sich derselben rühmen." Orobio schliesst diese Betrachtung mit der gewiss richtigen Bemerkung, dass ein solches evangelisches Leben ganz unmöglich sei, höchstens in den ersten Anfängen der Kirche, als noch der Bekenner wenig waren und diese eine Art Bruderschaft (essäischen Orden) gebildet haben6). Seine Polemik gegen das Christenthum schien den Zeitgenossen so niederschmetternd, dass protestantische Theologen einander aufforderten, eine gründliche Entgegnung auszuarbeiten. Uebrigens verhielt sich, wie schon angedeutet ist, Orobio nicht bloss polemisch, sondern auch apologetisch. Das Judenthum, um dessenwillen er so viel gelitten hatte, war seinem Herzen theuer. Er suchte es seinem Geiste klar zu machen und seinen hohen Werth 6) Das. Tertium scriptum.